Die wichtigsten Konjunkturindikatoren

Die wichtigsten Konjunkturindikatoren in der Übersicht 

In den Medien werden regelmäßig verschiedene Konjunkturindikatoren zitiert. Diese sind aber nicht nur für Volkswirte und Analysten interessant, sondern können auch Anlegern und Investoren wichtige Informationen liefern.

Durch den Verlauf der Indizes lassen sich nämlich Rückschlüsse darauf ziehen, wie sich die Konjunktur und auch die Börsenkurse in Zukunft entwickeln werden. 

Dies liegt daran, dass Konjunkturindikatoren nicht die momentane Situation widerspiegeln, sondern einen Vorlauf zwischen drei und sechs Monaten haben und damit eine Prognose wagen. Insofern sind deutliche Veränderungen in den Indizes immer ein recht sicheres Zeichen dafür, dass das Ende einer Flaute naht oder eine Krise bevorsteht.

Hier nun die wichtigsten Konjunkturindikatoren in der Übersicht:

Der ifo-Geschäftsklimaindex und der Tankan-Index

Der ifo-Geschäftsklimaindex gilt als der wichtigste deutsche Konjunkturindikator. Er wird vom Münchener ifo Institut für Wirtschaftsforschung unter der Leitung von Hans-Werner Sinn herausgegeben. Für den Index werden jeden Monat rund 7.000 Industrie-, Bau- und Einzelhandelsunternehmen durch einen Fragebogen mit 20 Fragen befragt, wie sie einerseits die aktuelle Geschäftslage einschätzen und was sie andererseits für die nächsten sechs Monate erwarten.

Der Index bildet anschließend das Geschäftsklima als Mittelwert aus Lage und Erwartungen ab. Als Grundregel gilt, dass sich ein Wendepunkt im Konjunkturverlauf ankündigt, wenn der ifo-Geschäftsklimaindex dreimal hintereinander steigt oder fällt.  Das japanische Pendant zum ifo-Geschäftsklimaindex ist der Tanki Keizai Kansoku, kurz Tankan.

Der Tankan-Index wird von der japanischen Zentralbank herausgegeben, die dafür im 3-Monats-Rhythmus rund 11.000 japanische Unternehmen zur aktuellen Lage und den Erwartungen für das kommende Quartal befragt. Der Index errechnet sich dann aus dem Verhältnis zwischen positiven und negativen Antworten.  

Der ZEW-Konjunkturindex

Der ZEW-Konjunkturindex gehört zusammen mit dem ifo-Geschäftsklimaindex zu den wichtigsten deutschen Konjunkturindikatoren. Der ZEW-Konjunkturindex bildet die Stimmung in der deutschen Wirtschaft ab, indem der die Differenz zwischen den positiven und den negativen Erwartungen ermittelt.

Für den Index werden jeden Monat 350 Experten zu ihrer Einschätzung der momentanen Situation und den erwarteten Entwicklungen befragt.

Bei den Experten handelt es sich aber, anders als beim ifo-Geschäftsklimaindex, um Finanzexperten wie Volkswirte, Analysten oder Aktienhändler. Diese beurteilen die Lage und die Erwartungen im Hinblick auf Aktien- und Wechselkurse. 

Der Earlybird und der Baltic Dry Index

Der Earlybird ist ein Gemeinschaftsindex der Commerzbanken und der WirtschaftsWoche und bildet als Frühindikator die Stimmung in der deutschen Exportindustrie ab. Dabei setzt sich der Earlybird aus drei Elementen zusammen, nämlich aus dem Einkaufsmanagerindex der US-Industrie, dem kurzfristigen Realzins und dem momentanen Außenwert des Euro.

Dadurch zeigt der Earlybird nicht nur Änderungen im Hinblick auf die weltwirtschaftliche Nachfrage, sondern berücksichtigt auch Kursschwankungen zwischen dem Euro und dem US-Dollar. Berechnet wird der Earlybird im 4-Wochen-Rhythmus.   

Der Baltic Dry Index kümmert sich als Frühindikator ebenfalls um den Welthandel.

Durch den Baltic Dry Index ermittelt die Baltic Exchange mit Sitz in London, wie viele Tonnen Güter weltweit über den Seeweg transportiert werden. Berücksichtigt werden insbesondere wichtige Frachtgüter wie beispielsweise Kupfer, Stahl, Eisenerz, Kohle, Getreide oder Düngemittel. Grundsätzlich gilt dabei, dass die Stimmung im Welthandel umso besser ist, je mehr verschifft wird. Berechnet wird der Baltic Dry Index an jedem Werktag um 14 Uhr.     

Der Einkaufsmanagerindex und der US-Einkaufsmanagerindex

Der Einkaufsmanagerindex, kurz EMI, wird seit 1996 vom Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik herausgegeben. Die Forscher des Londoner Markit Economics befragen dazu 500 Einkaufsmanager von repräsentativen deutschen Industrieunternehmen, wie sich die Auftragslage aktuell darstellt.

Berücksichtigt werden dabei die Auftragseingänge, die Preise und die Beschäftigung. Berechnet wird der EMI im monatlichen Rhythmus und wenn der Wert bei über 50 Punkten liegt, weist dies auf gut gefüllte Auftragsbücher hin. Die Stimmung in den namhaften US-amerikanischen Industriefirmen bildet der US-Einkaufsmanagerindex, kurz ISM, ab.

Diesen gibt es seit mittlerweile rund 80 Jahren und ähnlich wie beim deutschen Pendant werden auch für den US-Einkaufsmanagerindex knapp 400 Einkaufsmanager zur aktuellen Auftragslage, zu den Lagerbeständen und zu neuen Arbeitsplätzen befragt. Erreicht der Index mehr als 50 Punkte, steht dies für eine gute und stabile Wirtschaftssituation.   

Die Geldmenge M1, das GfK-Konsumklima und der Consumer Sentiment Index

Durch die Geldmenge M1 wird das gesamte Geld beziffert, das momentan in Form von Bargeld oder Einlagen auf beispielsweise Sparbüchern und Tagesgeldkonten zur Verfügung steht und jederzeit für Käufe genutzt werden kann. Steigt M1, bedeutet das, dass die Menschen über mehr Geld verfügen und ausgabefreudiger sind. Eine steigende Kaufbereitschaft wiederum ist ein sicheres Zeichen für eine positive Stimmung in der Konjunktur. 

Das GfK-Konsumklima wird von den Marktforschern der Nürnberger GfK ermittelt und bildet ebenfalls die Einkaufslaune der Verbraucher ab. Um den Index zu erstellen, befragen die Marktforscher jeden Monat etwa 2000 Haushalte. Dabei geht es bei den Befragungen einerseits um die Konjunkturerwartungen für das folgende Jahr, andererseits aber auch um das Einkommen, die geplanten Anschaffungen, das Sparverhalten und die Einschätzungen, wie sich die Preise entwickeln werden.

Der GfK-Konsumklimaindex wird seit über 30 Jahren jeden Monat herausgegeben.  Das US-amerikanische Pendant zum GfK-Konsumklimaindex ist der Consumer Sentiment Index. Dieser wird von den Wissenschaftlern der University of Michigan und dem Finanzinformationsdienst Thomson Reuters herausgegeben. Befragt werden 500 Verbraucher, die 50 Fragen zu ihrer Kauflaune beantworten. Auch der Consumer Sentiment Index erscheint im Monatsrhythmus.

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