Das eigene Risikoprofil bestimmen, 1. Teil

Das eigene Risikoprofil bestimmen, 1. Teil

Anlageprodukte, die höhere Renditen versprechen, gehen immer auch mit einem höheren Risiko einher. Andersherum schmälert das Plus an Sicherheit die Renditechancen.

Doch viele Anleger sind vorsichtiger, als sie es sein müssten.

Eine repräsentative Umfrage des Bankenverbands im Dezember 2016 ergab, dass deutsche Anleger das Risiko scheuen. Knapp 90 Prozent der Befragten sind demnach nicht bereit, bei der Geldanlage höhere Risiken zugunsten höherer Renditechancen einzugehen.

Wie schon in den Vorjahren sind trotz Niedrigzinsniveau die als sicher geltenden Sparkonten und Sparpläne die beliebtesten Anlageprodukte. Auf der anderen Seite nahm die Anzahl derer, die Immobilien oder Gold als gewünschte Anlageprodukte nannten, deutlich zu. Dabei sind diese Investments auch nicht risikofrei.

Aber was heißt es eigentlich, bei einer Geldanlage Risiken einzugehen? Grundsätzlich ist immer dann ein Risiko gegeben, wenn sich der Anleger für ein Produkt entscheidet, dessen Wert steigen, aber genauso auch sinken kann. An Aktien lässt sich das besonders gut veranschaulichen: Aktienkurse unterliegen ständigen Schwankungen.

Ihr Wert wird fortlaufend bestimmt und mal werden die Wertpapiere an den Börsen höher gehandelt, mal wieder niedriger. In der Folge kann es sein, dass ein Aktienkurs bei Eröffnung höher oder niedriger ist als bei Handelsschluss. Langfristig werden Anleger für ihre Risikobereitschaft meist belohnt. Die Vergangenheit zeigt, dass sich ein Aktienkurs in aller Regel irgendwann wieder erholt, selbst wenn er zwischenzeitlich in den Keller gefallen war.

Experten sprechen in diesem Zusammenhang übrigens von einer Risikoprämie. Von ihr können Anleger mit einer höheren Risikobereitschaft profitieren, wenn sie bereit sind, zeitweise Rückschläge in Kauf zu nehmen.

 

Das eigene Risikoprofil bestimmen – in 3 Schritten

In der Praxis hat es sich bewährt, risikoreichere Anlageprodukte mit risikoärmeren Anlageprodukten zu mischen. In welchem Verhältnis die jeweiligen Anlageprodukte zueinander stehen sollten, richtet sich nach den individuellen Voraussetzungen des Anlegers.

Im Fachjargon wird an dieser Stelle vom Risikoprofil gesprochen, das die Anlagestrategie maßgeblich bestimmt. Dabei fließen im Risikoprofil unterschiedliche Aspekte zusammen. So geht es zunächst einmal darum, festzustellen, wie viel Risiko sich der Anleger überhaupt leisten kann. Anschließend muss der Anleger für sich entscheiden, wie viel Risiko er eingehen möchte. Der letzte Schritt wäre dann, diese Erkenntnisse gegeneinander abzuwiegen und ein sinnvolles Maß an Risiko zu bestimmen.

Um das eigene Risikoprofil zu ermitteln, braucht der Anleger keine professionelle Hilfe. Die Einschätzung kann er auch selbst vornehmen. Wie das geht und was der Anleger bedenken sollte, erklären wir im Folgenden ausführlich.

 

  1. Schritt: die Risikotoleranz definieren

Die Risikotoleranz gibt Auskunft darüber, wie viel Risiko der Anleger eingehen kann. Maßgeblich hierbei ist, ob der Anleger aus wirtschaftlicher Sicht Verluste bei seiner Geldanlage verkraften kann und wenn ja, wie hoch diese sein dürfen. Dabei sollte der Anleger bei der Einschätzung der Risikotoleranz die folgenden fünf Aspekte zugrunde legen:

 

Anlagedauer

Über welchen Zeitraum möchte der Anleger sein Kapital anlegen? Plant er eine größere Anschaffung und möchte er das Geld bis dorthin ansparen? Ist die Geldanlage als Altersvorsorge gedacht? Oder hat der Anleger Geld übrig, das er momentan nicht braucht, auf das er aber im Bedarfsfall Zugriff haben möchte?

Eine Anlagedauer von bis zu fünf Jahren wird als kurzer Zeitraum bezeichnet. Bei einer Anlagedauer zwischen fünf und zehn Jahren wird von einem mittleren Zeitraum gesprochen. Alles, was über zehn Jahre hinausgeht, gilt als langer Anlagehorizont. Dabei ist es grundsätzlich so, dass das Risiko höher sein darf, je länger die Anlagedauer ist. Denn durch den langen Zeitraum steigen die Chancen, zwischenzeitliche Verluste wieder auszugleichen.

 

Vorhandenes Vermögen

Je mehr Vermögen der Anleger hat, desto mehr Risiko kann er sich bei seiner Geldanlage leisten. Denn durch sein höheres Vermögen ist er besser abgesichert, falls Verluste auftreten sollten.

 

Bestehende Schulden

Neben dem Vermögen sollte der Anleger aber auch seine Verbindlichkeiten beachten. Ein klassisches Beispiel in diesem Zusammenhang ist das Eigenheim. Eine Immobilie stellt natürlich einen Vermögenswert dar. Aber zum einen ist das Kapital gebunden, so dass der Anleger im Ernstfall darauf nicht ohne Weiteres zurückgreifen kann.

Und zum anderen relativiert sich der Vermögenswert, wenn die Baufinanzierung für die Immobilie noch läuft oder der Anleger eine Hypothek aufgenommen hat. Hat der Anleger laufende Kredite oder Finanzierungen, fährt er meist am besten, wenn er sein Kapital nicht in ein Anlageprodukt investiert, sondern für die Tilgung der Verbindlichkeiten einsetzt. Ansonsten gilt, dass er besser keine hohen Risiken eingehen sollte, solange er noch Kredite bedienen muss.

 

Regelmäßiges Einkommen

Ein solides Einkommen und ein sicherer Arbeitsplatz erhöhen das Risiko, das der Anleger eingehen kann. Ist der Anleger beispielsweise Beamter, kann er sich auf risikoreichere Geldanlagen einlassen als ein Selbstständiger, die nie genau weiß, wie sich sein Einkommen entwickeln wird. Möchte der Anleger ein finanzielles Polster fürs Alter aufbauen, sollte er durchrechnen, wie viel Geld er brauchen wird, um seinen Lebensstandard zu halten und seinen Lebensabend sicher zu finanzieren.

Gleichzeitig sollte er ausrechnen, welcher Betrag ihm durch die gesetzliche Altersrente und eventuell eine Betriebs- oder Riester-Rente zur Verfügung stehen wird. Je höher die Differenz zwischen dem benötigten bzw. gewünschten und dem erwarteten Einkommen im Alter ist, desto weniger Risiko sollte der Anleger eingehen. Denn wenn Verluste eintreten, könnte die Lücke noch größer werden. In diesem Fall ist es deshalb besser, auf Sicherheit zu setzen und dafür auf mögliche Renditechancen zu verzichten.

 

Bisherige Anlageprodukte

Der Anleger sollte sich immer einen genauen Überblick über sein bisheriges Anlageportfolio verschaffen. Hat er bisher nur oder größtenteils in sichere Geldanlagen investiert, kann er einen Teil des Anlagekapitals in Produkte mit höherem Risiko umschichten.

Hat er einen größeren Geldbetrag übrig, beispielsweise nach einer Erbschaft, kann er darüber nachdenken, sein Portfolio um ein neues, zusätzliches Anlageprodukt zu erweitern. Am Ende ist wichtig, dass die Mischung aus sicheren und risikoreicheren Anlageprodukten stimmt.

Um die Risikotoleranz einzuschätzen, arbeitet der Anleger am besten mit einer Skala, die von niedrig über mittel bis hoch reicht. Bei Bedarf kann er natürlich noch Zwischenstufen einfügen. Anhand der oben genannten Kriterien kann der Anleger dann die Einzelwerte bestimmen und daraus im Ergebnis seine Risikotoleranz ableiten.

Dazu ein Beispiel:

Angenommen, der Anleger ist seit mehreren Jahren für ein großes Unternehmen tätig und verdient rund 36.000 Euro im Jahr. Auf einem Festgeldkonto hat er bereits 5.000 Euro angelegt, zudem bespart er seit seinem 18. Geburtstag eine Kapitallebensversicherung. Er wohnt im Eigenheim, die Restschuld in der Baufinanzierung beträgt noch knapp 100.000 Euro. Nun möchte er weitere 5.000 Euro anlegen, die Anlagedauer soll aber höchstens fünf Jahre betragen. Die Risikotoleranz würde dann in etwa so aussehen:

 

Kriterium Wert Risikotoleranz
Anlagedauer kurz niedrig
Anlagekapital 5.000 Euro niedrig
Vermögen / Geldanlagen Festgeld, Lebensversicherung + finanzierte Immobilie mittel
Einkommen Angestellt / 36.000 € p. a. mittel
Schulden 100.000 € aus Baufinanzierung niedrig

 

Insgesamt überwiegt bei diesem Anlieger eine niedrige Risikotoleranz. Er hat zwar einen sicheren Job mit recht gutem Einkommen. Durch das Festgeldkonto und die Lebensversicherung verfügt er außerdem über sichere Geldanlagen. Allerdings stehen dem die Schulden aus der Baufinanzierung gegenüber. Hinzu kommt die kurze Anlagedauer, die es schwerer macht, mögliche Verluste abzufedern.

Im 2. Teil geht es mit den Schritten 2 und 3 bei der Bestimmung des eigenen Risikoprofils weiter.

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