Infos und Tipps zu nachhaltigen Geldanlagen, Teil 1

Infos und Tipps zu nachhaltigen Geldanlagen, Teil 1

Umweltskandale, marode Fertigungshallen, schlechte Arbeitsbedingungen, Dumpinglöhne: Manches Unternehmen scheint nicht zimperlich, wenn es darum geht, möglichst hohe Gewinne zu erzielen. Doch immer mehr Anleger möchten dem teils fragwürdigen Treiben ein Ende bereiten.

Nachhaltige Geldanlagen

Sie hinterfragen die Arbeits- und Produktionsbedingungen oder machen sich Gedanken über den Umweltschutz. Durch ihr Investment möchten sie sich an Unternehmen beteiligen, die fair agieren und bestimmte Kriterien im Zusammenhang mit ethischen oder grünen Standards einhalten.

Solche nachhaltigen Geldanlagen machen zwar bisher nur einen einstelligen Prozentanteil von dem Vermögen aus, das insgesamt investiert wird. Doch die Finanzmärkte haben den Trend längst erkannt. Und so wird die Auswahl an Investitionsmöglichkeiten stetig größer.

Nur: Welche Anlageprodukte kommen überhaupt in Frage? Und worauf sollte der Anleger achten?

In einem ausführlichen Ratgeber vermitteln wir die wichtigsten Infos und Tipps zu nachhaltigen Geldanlagen.

Nachhaltige Geldanlagen: Was ist damit gemeint?

Eine einheitliche Definition mit verbindlichen Kriterien, die nachhaltige Geldanlagen beschreibt, gibt es (bislang) nicht. Vielmehr hängt es von den Anforderungen, die der jeweilige Anbieter an Unternehmen stellt, ab, ob und wie nachhaltig eine Geldanlage bewertet wird.

Andererseits haben sich mehrere Ansätze etabliert, die zugrunde gelegt werden, um geeignete Unternehmen ausfindig zu machen. So werden für die Geldanlage zum Beispiel Unternehmen aus umstrittenen Branchen oft von vorneherein ausgeschlossen. Produzenten von Kriegswaffen, Atomenergie oder gentechnischen veränderten Lebensmitteln sind Beispiele dafür.

Außerdem fallen häufig Unternehmen heraus, die Kinder- und Zwangsarbeit zulassen, die Umwelt schädigen oder ihr Geld mit Pornographie oder Glücksspiel verdienen.

Ein anderer Ansatz ist, dass nur die besten Unternehmen der jeweiligen Branche für die Geldanlage berücksichtigt werden. Das kann dann beispielsweise der umweltverträglichste Erdölproduzent, der Textilkonzern mit den fairsten Arbeitsbedingungen im Billiglohnland oder die Investmentbank sein, die am wirtschaftlichsten arbeitet und sich bei den Bonuszahlungen für Manager zurückhält.

In der Praxis ist es aber nicht so einfach, die Unternehmen herauszufiltern, die tatsächlich nachhaltig arbeiten. Deshalb kümmern sich oft Analysten oder spezielle Forschungsinstitute um die Beurteilung von Unternehmen. Dabei werden dann die sogenannten ESG-Kriterien angelegt.

Das Kürzel ESG steht für Environment, Social und Governance, zu Deutsch: Umwelt, Soziales und Unternehmensführung. Das jeweilige Unternehmen wird nur dann in die Geldanlage des Anbieters aufgenommen, wenn es den festgelegten ökologischen, sozialen und wertorientierten Kriterien entspricht. Allerdings zählen an dieser Stelle tatsächlich die Kriterien des jeweiligen Anbieters. Und für den Anleger ist oft weder nachvollziehbar noch erkennbar, welche Maßstäbe der Anbieter ansetzt und wie er vorgeht, um Unternehmen auszuwählen.

In welche nachhaltigen Geldanlagen kann der Anleger investieren?

Eine unkomplizierte und kostengünstige Möglichkeit für ein Investment in nachhaltige Geldanlagen sind Aktien-Indexfonds, die Aktienindizes mit nachhaltiger Ausrichtung abbilden. Das sind die sogenannten ETFs.

Obwohl auf dem Markt eine ganze Reihe von Aktienindizes vertreten ist, die sich selbst als nachhaltig ausgerichtet bezeichnen, bleiben am Ende vor allem zwei Indizes übrig. Beide streuen so breit über Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen und Ländern, dass sie sich für eine langfristige Geldanlage eignen. Die Anbieter der Indizes sind der Dow Jones und der MSCI. Die Vorgehensweise bei der Auswahl der abgebildeten Aktien ist aber verschieden.

Der Dow Jones Sustainability Index World Enlarged vereint die rund 600 nachhaltigsten Unternehmen weltweit, Schwellenländer mit inbegriffen. Grundlage für die Auswahl ist ein umfangreicher Fragebogen, der über 100 Seiten umfasst. In dem Fragenbogen werden verschiedenste Kriterien zur Nachhaltigkeit abgefragt. So müssen die Unternehmen zum Beispiel angeben, wie sich der Aufsichtsrat und das Management zusammensetzen, wie das Unternehmen den Datenschutz handhabt oder wie es für die Sicherheit der Mitarbeiter sorgt.

Auch die CO2-Bilanz oder die internen Maßnahmen, um Menschenrechtsverletzungen innerhalb der Produktionskette aufzuspüren, werden abgefragt. Analysten werten den Fragebogen anschließend aus, gewichten die einzelnen Kriterien und ermitteln so einen Nachhaltigkeits-Score. Von den Unternehmen, die in Sachen Nachhaltigkeit am besten abgeschnitten haben, werden aus jeder Branche die 20 Prozent in den Index aufgenommen, die den höchsten Börsenwert haben.

Umstrittene Industrien bleiben dabei komplett außen vor. Zu diesen Industrien gehören die Alkohol-, die Tabak-, die Glückspiel-, die Waffen-, die Atomkraft-, die Pornographie- und die Gentechnik-Branche. US-amerikanische Aktien haben in diesem Index einen Anteil von etwa 40 Prozent.

Der MSCI World Socially Responsible Index, kurz SRI, bündelt rund 400 Unternehmen aus Industrieländern weltweit, die bei den ESG-Kriterien das höchste Ranking aufweisen. Um dieses Ranking zu erstellen, ist eine ganze Reihe von Analysten für den MSCI tätig. Die Analysten nutzen für ihre Arbeit öffentlich zugängliche Informationen wie Medien- und Geschäftsberichte.

In den Index werden dann die Unternehmen aufgenommen, die neben dem sehr guten ESG-Ranking auch solide Börsenwerte haben. Als Kriterium hier gilt, dass die Aktien im SRI ein Viertel vom Börsenwert des klassischen Aktienindex ausmachen müssen. Wie auch beim Dow Jones Sustainability Index World Enlarged werden Unternehmen aus umstrittenen Branchen nicht berücksichtigt. Der Anteil US-amerikanischer Aktien beläuft sich auf gut 55 Prozent.

Welcher ETF sich für wen eignet

Sucht der Anleger eine ethisch-ökologische Geldanlage und gleichzeitig eine interessante Alternative zum klassischen Weltaktienindex MSCI World, könnte ein ETF, das den SRI abbildet, interessant sein. Möchte der Anleger weniger Gewicht auf US-amerikanische Aktien legen und stattdessen stärker in nachhaltige Unternehmen aus Schwellenländern investieren, dürfte ein ETF, das den Dow Jones Sustainability Index World Enlarged abbildet, die bessere Wahl sein.

In beiden Fällen braucht der Anleger ein Wertpapierdepot. Das Investment selbst kann er entweder als Einmalanlage oder in Form eines Sparplans tätigen. Vor allem bei einer Einmalanlage sollte der Anleger einen Anlagehorizont von mindestens 15 Jahren einplanen.

Denn die Vergangenheit zeigt, dass sich mögliche Schwankungen am Kapitalmarkt bei dieser Laufzeit immer so ausgeglichen haben, dass die Anleger keine Verluste verzeichnen mussten. Bei einem Sparplan spielt es keine allzu große Rolle, wann der Anleger einsteigt. Sollten die Kurse gleich am Anfang in den Keller rutschen, sind nur wenige Monatsraten betroffen. Schlimmstenfalls kann der Anleger dann noch aussteigen. Generell ist aber auch bei einem Sparplan ein möglichst langer Anlagehorizont von Vorteil.

Wichtig:

Der Anleger sollte darauf achten, wie sein Anbieter mit den Dividenden umgeht. Es gibt nachhaltige ETFs, die thesaurieren. Das bedeutet, dass der Fonds die Dividenden selbstständig wieder in Fondsvermögen investiert. Bei anderen ETFs werden die Dividenden an den Anleger ausgeschüttet. Für einen Vermögensaufbau sollte der Anleger diese Auszahlungen dann erneut für den Kauf von weiteren Fondsanteilen verwenden.

Natürlich gibt es neben den ETFs auch noch weitere nachhaltige Geldanlagen. Dazu gehören beispielsweise Ökofonds oder Beteiligungen an Windparks und Waldprojekten. Darauf gehen wir im 2. Teil ein.

Mehr Ratgeber, Finanztipps und Anleitungen:

Thema: Infos und Tipps zu nachhaltigen Geldanlagen, Teil 1

Anzeige
Twitter

Redaktion

Inhaber bei Internetmedien Ferya Gülcan
Armin Stolz, 47 Jahre, Finanzberater, Siegmund Taubel, 53 Jahre, Investmentbanker, Marina Mekovic, 38 Jahre, Aktienanalystin, sowie ferya Gülcan , Redakteurin und Betreiberin dieser Webseite, schreiben hier Wissenswertes, geben Tipps und Ratgeber zu Geldanlagen, Investments und allgemeine Finanzthemen.
Redaktion
Twitter

Veröffentlicht von

Redaktion

Armin Stolz, 47 Jahre, Finanzberater, Siegmund Taubel, 53 Jahre, Investmentbanker, Marina Mekovic, 38 Jahre, Aktienanalystin, sowie ferya Gülcan , Redakteurin und Betreiberin dieser Webseite, schreiben hier Wissenswertes, geben Tipps und Ratgeber zu Geldanlagen, Investments und allgemeine Finanzthemen.

Kommentar verfassen