Übersicht: die wichtigsten Infos zu Anleihen, Teil I

Übersicht: die wichtigsten Infos zu Anleihen, Teil I

 

Wenn über die Börsen berichtet wird, dann liegt das Augenmerk meist auf den Aktienmärkten. Die Anleihemärkte hingegen werden kaum thematisiert, obwohl Anleihen sehr interessante Investmentobjekte sein können.

So manchen Anleger wird es vermutlich überraschen, dass die Anleihemärkte deutlich größer sind als die Aktienmärkte. So belief sich der Wert der Aktien im Index DAX und damit der Wert der Aktien der 30 größten Unternehmen in Deutschland zu Jahresbeginn 2015 auf rund 1 Billion Euro.

Im Vergleich dazu waren zum selben Zeitpunkt nur vom deutschen Staat Anleihen im Wert von 1,1 Billionen Euro im Umlauf. Dazu kommen dann aber noch die Anleihen, die andere Staaten und Unternehmen herausgegeben haben. Vom Grundprinzip her sind Anleihen Wertpapiere.

Staaten und Unternehmen geben Anleihen heraus, um sich auf diese Weise Geld zu beschaffen. Kauft der Investor Anleihen, gewährt er dem Herausgeber somit letztlich einen Kredit. Im Gegenzug erhält er dafür festgelegte Zinszahlungen. Nun wurden in der Vergangenheit aber immer wieder neue Anleiheformen auf den Markt gebracht.

Dementsprechend breitgefächert ist das Spektrum. In einem dreiteiligen Beitrag stellen wir die wichtigsten Infos zu Anleihen zusammen.

 

Hier ist Teil I der Übersicht:

 

Die wichtigsten Begriffe rund um Anleihen

Anleihen sind weit weniger kompliziert als es scheint. Um die Anlageform nachvollziehen zu können, sollten dem Investor aber die wichtigsten Merkmale der Wertpapiere und damit auch die grundlegenden Begriffe im Zusammenhang mit Anleihen bekannt sein.

Hierzu gehören folgende:

 

Rendite und Kupon

Die wichtigste Kennzahl bei Anleihen ist die Rendite, die pro Jahr erwartet wird. Die Rendite leitet sich von der Laufzeit, den Zinszahlungen und den Kursen beim Kauf und Rückkauf der Anleihe ab.

Ausgewiesen wird die Rendite in Prozent. Behält der Anleger eine Anleihe bis zum Ende der Laufzeit in seinem Depot, ist die Rendite die Verzinsung, die dem Anleger pro Jahr in Aussicht gestellt wird. Wie hoch die Rendite ausfällt, wird im Wesentlichen von der Restlaufzeit der Anleihe, dem aktuellen Marktzinsniveau und der Bonität des Herausgebers bestimmt.

Grundsätzlich gilt, dass die Rendite umso höher ausfällt, je länger die Restlaufzeit der Anleihe und je schlechter die Bonität des Herausgebers ist. Kupon ist der Fachbegriff für die Zinszahlungen, die eine Anleihe regelmäßig an den Anleger ausschüttet. Der Hauptunterschied zwischen der Rendite und dem Kupon besteht darin, dass der Kupon festgelegt ist.

Die Höhe des Kupons verändert sich also nicht. Im Gegensatz dazu schwankt die Höhe der Rendite zusammen mit dem Kurs der Anleihe. Steigt der Kurs der Anleihe, fällt die Rendite, sinkt der Kurs der Anleihe, steigt die Rendite.

 

Nennwert, Kurswert und Restlaufzeit

Auf einer Anleihe ist ein bestimmter Betrag ausgewiesen. Dieser Betrag ist der Nennwert der Anleihe. In aller Regel ist der Nennwert auch der Betrag, den der Anleger am Ende der Laufzeit für die Anleihe wieder zurückbekommt. Der Kurs einer Anleihe wird als Prozentsatz des Nennwerts angegeben.

Hat eine Anleihe beispielsweise einen Kurswert von 100 Prozent, bedeutet das, dass der Kurswert und der Nennwert der Anleihe identisch sind. Beträgt der Kurswert einer Anleihe hingegen 120 Prozent, dann hat sich der Wert der Anleihe gegenüber dem Nennwert um 20 Prozent erhöht.

Die Anleihe ist aktuell also 20 Prozent mehr wert als der Betrag, der auf dem Wertpapier steht. Die Restlaufzeit beschreibt, wie lange die Anleihe noch im Unlauf bleibt und damit gleichzeitig auch, wann der Nennwert der Anleihe zurückbezahlt wird.

 

Einzelkauf und Fonds

Möchte der Anleger in Anleihen investieren, hat er zwei Möglichkeiten. So kann er zum einen einzelne Anleihen kaufen. Zum anderen kann er Anleihen kaufen, die in einem Fonds zusammengefasst sind.

Durch einen Fonds investiert der Anleger sein Geld in mehrere Anleihen gleichzeitig. Dies hat den Vorteil, dass die Gefahr von Verlusten geringer ist, weil die Risiken auf mehrere Wertpapiere verteilt sind.

Selbst wenn es bei einer Anleihe zu einem Zahlungsausfall kommen sollte, können die übrigen Wertpapiere diesen Ausfall im günstigsten Fall ausgleichen oder zumindest abmildern. Nachteilig ist aber, dass bei Fonds Gebühren für deren Verwaltung anfallen.

 

Kursschwankungen und Währungsrisiken

Die Kurse von Anleihen unterliegen Schwankungen. Der Grund hierfür ist, dass sich die Rendite einer Anleihe am aktuellen Zinsniveau orientiert und sich entsprechend verändert. Klettern die Zinsen nach oben, sinken die Kurse der Anleihen. Fallen die Zinsen, erhöhen sich die Anleihenkurse.

Wie sich das Zinsniveau entwickelt, hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. Entscheidende Einflussfaktoren sind beispielsweise die Konjunktur und das erwartete Wirtschaftswachstum, die vermutete Inflationsrate und auch die Geldmarktpolitik. Gewähren die Notenbanken Kredite zu günstigen Konditionen, führt dies in aller Regel dazu, dass das Zinsniveau sinkt.

Währungsrisiken kommen zum Tragen, wenn eine Anleihe nicht in Euro, sondern in einer Fremdwährung ausgegeben wird. Investiert der Anleger beispielsweise in eine Anleihe, die in US-Dollar geführt ist, können sich Währungsschwankungen auf seinen Gewinn auswirken.

Dabei ist möglich, dass der Anleger einen höheren Gewinn erwirtschaftet. Andersherum besteht aber auch das Risiko, dass die Währungsschwankungen seinen Gewinn spürbar schmälern.

 

Handel

Anleihen werden an der Börse gehandelt. Möchte der Anleger in Anleihen investieren, kann er die Wertpapiere also über die Börse kaufen und auch wieder verkaufen. Wie oft Anleihen gehandelt werden, ist allerdings verschieden.

Der Fachbegriff für die Häufigkeit, mit der eine Anleihe gehandelt wird, lautet Liquidität. Je weniger liquide eine Anleihe ist, desto seltener wird sie gehandelt und desto höher ist die Rendite, die der Investor erwarten kann. Entscheidet sich der Anleger dazu, eine solche Anleihe weiterzuverkaufen, wird es aber meist schwerer haben einen Käufer zu finden.

 

Anleihen als Geldanlage

Insgesamt gelten Anleihen als vergleichsweise sichere Geldanlagen, vor allem wenn sie von wirtschaftlich gut aufgestellten Staaten und Unternehmen herausgegeben werden. Zwar unterliegen auch Anleihen Kursschwankungen, allerdings sind sie weniger ausgeprägt als bei Aktien. Von der Funktionsweise her ähneln Anleihen dem Festgeld.

Kauft der Anleger eine Anleihe, legt er dadurch einen gewissen Geldbetrag an. Für diesen Geldbetrag erhält er während der Laufzeit Zinsen. Ist die Laufzeit abgelaufen, erhält der Anleger das angelegte Geld zurück. Der Vorteil einer Anleihe gegenüber Festgeld besteht darin, dass sie meist über die Börse gehandelt wird. Daher muss der Anleger die Laufzeit nicht abwarten, sondern kann seine Anleihe zum aktuellen Kurswert weiterverkaufen.

Ein Minuspunkt ist, dass eine Anleihe, anders als Festgeld, nicht der Einlagensicherung unterliegt. Sollte der Herausgeber der Anleihe zahlungsfähig werden, ist der Anleger dadurch ein Gläubiger unter vielen. Reicht die Insolvenzmasse nicht aus, um alle Gläubiger zu befriedigen, muss sich der Anleger mit entsprechenden Verlusten abfinden.

Ein weiterer Minuspunkt ist, dass die meisten Anleihen zwar regelmäßig Zinszahlungen ausschütten, die Verzinsung derzeit allerdings sehr mager ist. Bei Bundesanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren etwa belief sich die zu erwartende Rendite Anfang 2015 auf nicht einmal 0,5 Prozent jährlich.

Selbst ein Tagesgeldkonto kann attraktivere Zinsen bereithalten. Auf der anderen Seite gibt es durchaus Anleihen, die respektable Renditen versprechen. Allerdings handelt es sich hierbei um spekulative Varianten mit langen Laufzeiten und von Herausgebern mit schlechter Bonität. Den höheren Renditechancen stehen somit entsprechend hohe Risiken gegenüber.

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