Ausführlicher Ratgeber zum Investment in Zertifikate, Teil 1

Ausführlicher Ratgeber zum Investment in Zertifikate, Teil 1

Im alltäglichen Sprachgebrauch hat der Begriff „Zertifikat“ einen eher positiven Charakter. Oft bestätigt ein Zertifikat als Beleg, dass ein Gegenstand oder ein Sachverhalt echt ist. Im Zusammenhang mit Geldanlagen ist ein Zertifikat etwas anderes. Hier handelt es sich um ein komplexes Anlageprodukt, das es mittlerweile in vielen verschiedenen Ausführungen gibt.

Anzeige

Ausführlicher Ratgeber zum Investment in Zertifikate, Teil 1

In einem ausführlichen Ratgeber erklären wir Wichtiges und Wissenswertes zum Investment in Zertifikate!:

Was sind Zertifikate?

Bei einem Zertifikat handelt es sich um ein Wertpapier, dessen Preis davon abhängt, wie sich ein anderer Wert, der Basiswert, entwickelt. Aus diesem Grund wird auch von einem Derivat gesprochen. Derivat bedeutet so viel wie „abgeleitet“. Als Basiswert kommen verschiedene Werte infrage, zum Beispiel Aktien, Indizes, Rohstoffe oder Währungen.

Aus rechtlicher Sicht sind Zertifikate Schuldverschreibungen der herausgebenden Bank. Der Anleger geht dadurch einen Vertrag mit der Bank ein, die ihm eine Rückzahlung zusichert.

Je nach Marktentwicklung kann diese Rückzahlung größer oder kleiner als der Einsatz des Anlegers sein. Schlimmstenfalls kann der Anleger sein eingesetztes Kapital sogar komplett verlieren, nämlich dann, wenn der Herausgeber insolvent wird.

Gehandelt werden Zertifikate an der Börse oder direkt über den Anbieter, der sie herausgegeben hat.  Dabei sind die verschiedenen Anlageprodukte so konstruiert, dass ihnen bestimmte Marktentwicklungen zugutekommen.

Je nach Konzept steigt der Kurs des Zertifikats, wenn der Preis des Basiswerts steigt, stagniert oder fällt. Der Anleger kann durch Zertifikate also auf bestimmte Kursentwicklungen wetten.

Welche Vorteile haben Zertifikate?

Ein Pluspunkt von Zertifikaten ist, dass der Anleger eine Vielzahl von Investmentstrategien verfolgen kann. So kann er durch Zertifikate zum Beispiel bei verschiedensten Basiswerten darauf setzen, dass diese steigen, fallen oder sich seitwärts entwickeln.

Außerdem kann er seine Anlagestrategie durch eine entsprechende Auswahl von Wertpapieren riskanter oder defensiver ausgestalten. Bestätigt die Anlagestrategie des Zertifikats die Markterwartung des Anlegers, sind hohe Renditen möglich.

Je höher die Renditechancen sind, desto höher sind meist auch die Risiken. Allerdings kann der Anleger die Risiken begrenzen. Investiert er in entsprechend konzipierte Zertifikate, profitiert er von Kurssteigerungen, während die Verlustrisiken bei fallenden Kursen eingeschränkt sind.

Dieser Vorteil geht allerdings oft zulasten des möglichen Gewinns, der ebenfalls geringer ausfällt.

Ein weiterer Pluspunkt ergibt sich daraus, dass Zertifikate an der Börse oder direkt über den Anbieter gehandelt werden. Dadurch kann der Anleger die Wertpapiere auch wieder verkaufen.

Allerdings sind die Geld-Brief-Spannen mitunter hoch. Der Anleger kauft solche Zertifikate zu einem recht hohen Preis und kann sie nur eher ungünstig verkaufen. Trotzdem bedeutet die Verkaufsmöglichkeit für den Anleger Liquidität.

Was sind die Nachteile von Zertifikaten?

Der größte Minuspunkt vieler Zertifikate sind die vergleichsweise hohen Kosten. Diese sind aber nicht immer offen ausgewiesen und werden dem Anleger auch nicht in Rechnung gestellt. Stattdessen sind die Gebühren in die Struktur des Wertpapiers eingebunden und äußern sich durch eine Kursminderung des Zertifikats.

Ein anderer Minuspunkt ist das Emittentenrisiko. Rechtlich gesehen ist das Zertifikat eine Anleihe des Herausgebers und nicht des Unternehmens, dessen Basiswert das Zertifikat folgt.

Wird nun der Herausgeber zahlungsunfähig und kann seine finanziellen Verpflichtungen nicht mehr erfüllen, besteht die Gefahr, dass der Anleger sein eingesetztes Kapital komplett verliert.

Besucher lesen auch gerade folgenden Beitrag:  Die wichtigsten Kennzahlen rund um Aktien, Teil 1

Je nach Zertifikat sind entweder die Gewinnchancen begrenzt oder der Anleger geht ein höheres Risiko ein als bei einem direkten Investment in den Basiswert.

Und generell sind Zertifikate sehr komplexe und schwer nachvollziehbare Anlageprodukte. Deshalb eignen sie sich letztlich nur für erfahrene Investoren.

Welche Kosten fallen bei Zertifikaten an?

Zertifikate gehen mit vergleichsweise hohen Kosten einher. Allerdings werden nicht alle Gebühren offen ausgewiesen, sondern sind in der Struktur des Wertpapiers enthalten.

Zu den wichtigsten Kostenfaktoren gehören diese:

  • Ordergebühr: Wie bei anderen Wertpapieren fallen auch beim Kauf von Zertifikaten Gebühren an. Wie hoch sie sind, richtet sich nach den Konditionen der Depotbank des Anlegers.
  • Ausgabeaufschlag: Ähnlich wie bei Investmentfonds wird auch bei Zertifikaten, die neu herausgegeben werden, meist ein Aufschlag erhoben. Er bewegt sich üblicherweise in einem Rahmen zwischen einem und drei Prozent des Ausgabekurses. Die genaue Höhe steht im Verkaufsprospekt.
  • Geld-Brief-Spanne: Kauft der Anleger Zertifikate an der Börse, sieht er in aller Regel zwei verschiedene Preise. Der Briefkurs benennt den Preis, zu dem der Anleger das Zertifikat kaufen kann. Der Geldkurs gibt den Preis an, zu dem die Bank das Zertifikat zurücknimmt. Dabei ist der Briefkurs immer höher als der Geldkurs. Die Bank möchte also mehr Geld für ein Zertifikat, als sie dafür bezahlt. Diese Geld-Brief-Spanne wird auch als Spread bezeichnet und ist üblicherweise umso höher, je seltener ein Zertifikat gehandelt wird. Dabei ist eine Spanne bis 0,5 Prozent günstig, bis ein Prozent noch akzeptabel.
  • Managementgebühr: Diese Kosten sind innerhalb des Zertifikats verrechnet und senken dadurch den Wert des Wertpapiers. Sie betragen meist 0,5 bis 1,5 Prozent pro Jahr, werden aber vorrangig bei Zertifikaten mit unbeschränkter Laufzeit erhoben, weil der Herausgeber damit tatsächlich einen regelmäßigen Verwaltungsaufwand hat.
  • Innenprovision: Die Vertriebspartner, die Zertifikate anbieten, bekommen teilweise eine Provision für die Vermittlung an Kunden. Diese Innenprovision kann sich auf ein bis drei Prozent des Ausgabepreises belaufen und ist in die Struktur des Zertifikats eingerechnet. Auf eine Innenprovision müssen die Banken von sich aus hinweisen.
  • Quanto-Kosten: Bei Zertifikaten mit ausländischen Aktien oder Indizes als Basiswert besteht ein Währungsrisiko. Durch eine Währungssicherung namens Quanto kann das Währungsrisiko ausgeschaltet werden. Je nachdem, um welche Währung es geht und wie sehr diese schwankt, belaufen sich die Quanto-Kosten auf 1,5 bis zwei Prozent jährlich.
  • Rücknahmegebühr: Bei einigen sehr komplexen Zertifikaten verlangt die Bank eine ein- bis zweiprozentige Rücknahmegebühr, wenn der Anleger das Zertifikat vorzeitig zurückgibt. Diese Gebühr ist im Verkaufsprospekt ausgewiesen.

Nicht alle Gebühren müssen bei jedem Zertifikat erhoben werden. Grundsätzlich gilt aber, dass die Kosten umso höher sind, je komplizierter ein Zertifikat ist. Denn in komplexen Strukturen lassen sich versteckte Kosten besser tarnen.

Der Anleger sollte sich vor einem Investment deshalb immer erkundigen, welche Kosten entstehen.

Mehr Ratgeber, Tipps und Anleitungen:

Thema: Ausführlicher Ratgeber zum Investment in Zertifikate, Teil 1

-

Übersicht:
Fachartikel
Verzeichnis
Über uns


investieren99

Autoren Profil:
FB/Twitter

Veröffentlicht von

Autoren Profil:

Armin Stolz, - Finanzberater, Siegmund Taubel, - Investmentbanker, Marina Mekovic, - Aktienanalystin, Isabella Dorant (E-Book Autorin), sowie Christian & Ferya Gülcan , Unternehmer/in, Gründer, VC-, Immobilien- und Kryptoinvestoren, sowie Redakteure und Betreiber dieser Webseite, schreiben hier Wissenswertes, geben Tipps und Ratgeber zu Geldanlagen, Investments und allgemeinen Finanzthemen. Die Inhalte des Informationsangebots, stellen keine Finanzberatung oder Anlageberatung dar - somit ersetzen die Inhalte auch keine persönliche Beratung mit einen Finanzberater oder Steuerberater.

Kommentar verfassen