Die Vorteile und Nachteile von Garantiezertifikaten

Die Vorteile und Nachteile von Garantiezertifikaten

Verfügt der Anleger über solides Finanzwissen und ist ihm Sicherheit wichtiger als hohe Renditechancen, könnten für ihn Garantiezertifikate ein interessantes Anlageprodukt sein.

Ein Garantiezertifikat stellt sicher, dass der Anleger das investierte Geld am Ende der Laufzeit komplett oder zumindest anteilig wiederbekommt. Besagt die Kapitalgarantie beispielsweise, dass die Rückzahlung mindestens 90 Prozent des Ausgabepreises beträgt, ist das Verlustrisiko des Anlegers auf höchstens zehn Prozent begrenzt.

Doch der Preis für die Kapitalgarantie ist, dass der Anleger auch nur in einem bestimmten Umfang profitiert, wenn der Basiswert des Garantiezertifikats steigt. Für einen eher vorsichtigen Anleger, der Sicherheit satten Gewinnchancen vorzieht, können Garantiezertifikate durchaus eine Überlegung wert sein.

Allerdings handelt es sich bei Garantiezertifikaten um komplexe Finanzprodukte, die nicht ganz einfach zu verstehen sind. In diesem Beitrag vermitteln wir etwas Grundlagenwissen und erläutern die Vor- und Nachteile.

 

Die Vorteile und Nachteile von Garantiezertifikaten

Für den Anleger bieten Garantiezertifikate durchaus Vorteile. Vor allem was die Sicherheit angeht, können die Zertifikate punkten.

  • Kapitalgarantie: Investiert der Anleger in ein Garantiezertifikat, ist sichergestellt, dass er das eingesetzte Kapital zum Ende der Laufzeit zurückbekommt. Dabei muss der Rückzahlbetrag, der garantiert ist, zwar nicht zwangsläufig dem vollen Ausgabepreis entsprechen. Stattdessen ist auch denkbar, dass der Anleger nur die Garantie hat, einen bestimmten Prozentsatz des Ausgabepreises wiederzubekommen. Aber dafür weiß der Anleger schon beim Kauf des Garantiezertifikats, dass und wie viel Geld er am Ende der Laufzeit zurückerhält.
  • Kurschancen: Die Wertentwicklung eines Garantiezertifikats richtet sich nach dem Basiswert, der dem Zertifikat zugrunde liegt. Entwickelt sich der Basiswert positiv, klettert auch der Kurs des Garantiezertifikats nach oben. Der Anleger kann sich in diesem Fall über Gewinne freuen.

Den Vorteilen, die Garantiezertifikate bieten, stehen allerdings auch Nachteile gegenüber.

  • Gewinnbegrenzung: Die Wertsteigerungen und damit auch die Gewinnchancen für den Anleger sind bei einem Garantiezertifikat nach oben hin begrenzt. Üblicherweise geschieht dies durch einen sogenannten Cap, der den Rückzahlungspreis des Garantiezertifikats deckelt. Außerdem ist möglich, dass eine sogenannte Partizipationsrate vereinbart wird, die kleiner ist als eins. In diesem Fall profitiert der Anleger auch bis zum Cap, also der definierten Höchstgrenze, nicht eins zu eins, sondern nur zu einem bestimmten Prozentsatz von den Kurssteigerungen des Garantiezertifikats.
  • Emittentenrisiko: Rechtlich gesehen, handelt es sich bei einem Garantiezertifikat um eine Anleihe. Aus diesem Grund unterliegt es dem Emittentenrisiko und damit der Gefahr, dass der Herausgeber des Garantiezertifikats zahlungsunfähig wird. Tritt dieser Fall ein und kann der Emittent seinen finanziellen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen, wird damit letztlich auch die Kapitalgarantie des Anlegers wertlos.
  • Kosten: Das Investment in ein Garantiezertifikat geht mit Kosten einher. Dabei entstehen vor allem dann hohe Gebühren, wenn der Ankaufs- und der Verkaufskurs deutlich voneinander abweichen. Ein weiterer Minuspunkt ist, dass der Anleger, anders als bei Aktien, normalerweise keine Dividenden bekommt.

Die Funktionsweise von Garantiezertifikaten

Ein Garantiezertifikat kombiniert verschiedene Wertpapiere miteinander. Dabei muss die Bank, die das Garantiezertifikat herausgibt, eine geschickte Zusammenstellung wählen. Denn es muss gewährleistet sein, dass am Ende der Laufzeit genug Kapital vorhanden ist, um die fest vereinbarten und garantierten Rückzahlungen an die Inhaber der Garantiezertifikate zu leisten.

Insgesamt ist der Aufbau eines Garantiezertifikats sehr komplex. Eine mögliche Konstruktion wäre beispielsweise folgende: Die Bank verwendet das Geld der Anleger, um damit einen Zerobond zu kaufen, der die gleiche Laufzeit hat wie das Garantiezertifikat. Ein Zerobon wird im Deutschen auch Nullkupon-Anleihe genannt und kennzeichnet sich dadurch, dass er keinen Kupon hat. Stattdessen erfolgt die Auszahlung der Zinsen am Ende der Laufzeit, und zwar zusammen mit der Rückzahlung des Nennwerts der Anleihe.

Die Summe aus Nennwert und Zinsen führt dazu, dass der Preis des Zerobonds am Ende der Laufzeit höher ist als zu Beginn. Damit garantiert der Zerobond gleichzeitig, dass den Anlegern ihr investiertes Kapital zurückgezahlt werden kann. Zusätzlich zum Zerobond investiert die Bank in Optionsscheine auf den Basiswert des Garantiezertifikats. Dadurch profitiert sie, wenn der Kurs des Basiswerts steigt. Diese Gewinne werden dann ebenfalls anteilig an die Anleger ausgezahlt.

 

Zur Veranschaulichung noch ein Beispiel

Garantiezertifikate sind komplizierte Finanzprodukte mit einem komplexen Aufbau. Wie grundsätzlich alle Anleihen sind deshalb auch Garantiezertifikate letztlich nur für erfahrene Anleger geeignet. Verfügt der Anleger über entsprechendes Finanzwissen und ist er bereit, zugunsten der Sicherheit und des Erhalts seines investierten Kapitals auf Kurschancen zu verzichten, können Garantiezertifikate für ihn aber eine interessante Anlageoption sein.

Garantiezertifikate gibt es in verschiedenen Varianten. Doch dieses Anlageprodukt in seinen Einzelheiten zu erklären, ist mit wenigen Worten kaum möglich. Um zu veranschaulichen, wie das Investment aus Sicht des Anlegers ablaufen kann, hier aber ein sehr einfaches Beispiel, das sich auf die wesentlichen Eckdaten beschränkt:

 

Basiswert Aktie XY
Kurs des Basiswerts bei Ausgabe 45 Euro
Cap 130 Euro

(bei einem Aktienkurs von 55 Euro)

Partizipationsrate 1
Nennwert (= garantierte Rückzahlung) 100 Euro

 

Ausgehend von diesen Werten, sind am Ende der Laufzeit des Garantiezertifikats aus Sicht des Anlegers drei Szenarien möglich:

  1. Ist der Kurs der Aktie XY auf 55 Euro oder mehr gestiegen, bekommt der Anleger 130 Euro. Somit hat er einen Gewinn von 30 Euro erwirtschaftet.
  2. Beträgt der Kurs der Aktie XY weniger als 45 Euro, wird dem Anleger der Nennwert von 100 Euro ausgezahlt. Er bekommt also das Geld wieder, das er eingesetzt hat.
  3. Liegt der Kurs der Aktie XY zwischen 45 und 55 Euro, berechnet sich der Kursgewinn des Garantiezertifikats nach der Formel: Kursgewinn der Aktie in Prozent x 100.

In der Praxis spielen allerdings noch ein paar weitere Faktoren eine Rolle. Hierzu gehören beispielsweise die Geld-Brief-Spanne oder mögliche Managementgebühren.

Möchte der Anleger in Garantiezertifikate investieren, ist das auf zwei Wegen möglich. Zertifikate, die neu auf den Markt kommen, kann der Anleger direkt bei der Bank kaufen, die sie ausgibt. Oder der Anleger erwirbt Zertifikate, die schon auf dem Markt sind, über die Börse. Dort werden sie zum jeweils aktuellen Kurs gehandelt. Bevor sich der Anleger für ein Garantiezertifikat entscheidet, sollte er sich aber unbedingt genau über das Produkt informieren, beispielweise in einem entsprechenden Finanzportal.

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