Die wichtigsten Kennzahlen rund um Aktien, Teil 3

Die wichtigsten Kennzahlen rund um Aktien, Teil 3

Wenn es darum geht, Produkte für eine gewinnbringende Geldanlage auszuwählen, raten Finanzprofis regelmäßig zu Aktien. Der Anleger muss zwar nicht gleich sein komplettes Anlagekapital in Aktien investieren. Aber im Portfolio sollten sich eben auch Wertpapiere befinden.

Kennzahlen Aktien

Viele Anleger stehen Aktien jedoch skeptisch gegenüber. Sie befürchten, dass der Aktienhandel zu kompliziert und zu aufwändig ist. Von den Verlustrisiken ganz zu schweigen. Hinzu kommt, dass Aktien inzwischen zu teuer scheinen. Schließlich machen ständig Schlagzeilen die Runde, die über neue Rekordstände berichten.

Natürlich spricht nichts dagegen, auf klassische Geldanlagen wie Lebensversicherungen, Festgeldkonten oder Sparpläne zu setzen. Sie haben sich seit Jahren bewährt und gelten als sicher.

In Zeiten, in denen sich die Zinsen auf einem Rekordtief bewegen, sind allerdings kaum Renditen drin. Aktien wiederum müssen weder risikoreicher noch komplizierter sein als andere Geldanlagen. Und einzelne Kurse oder Punktestände sagen nicht viel darüber aus, wie teuer Aktien sind und ob sich ein Investment lohnt. Für eine Einschätzung der Aktienmärkte müssen vielmehr mehrere Zahlen im Verhältnis zueinander betrachtet werden.

Der Kapitalmarkt kennt dazu viele verschiedene Bewertungsmodelle. Doch als Bewertungsgrundlage müssen es nicht unbedingt die teils sehr komplexen Modelle sein. Stattdessen kann sich der Anleger an einigen simplen Kennzahlen orientieren.

In einem mehrteiligen Beitrag schauen wir uns die wichtigsten Kennzahlen rund um Aktien einmal genauer an. Außerdem erklären wir, was diese Kennzahlen eigentlich aussagen. Dabei ging es in den beiden ersten Teilen unserer kleinen Beitragsreihe um das Kurs-Gewinn-Verhältnis, das Shiller-KGV, das Zinsniveau, den Buffet-Indikator, das Kurs-Buchwert-Verhältnis und die Dividendenrendite.

Nun, in Teil 3, kümmern wir uns um die Aussagekraft
der Bewertungs-Kennzahlen:

 

Der Nutzen von Kennzahlen für die Aktien-Bewertung

Klettern die Aktienkurse nach oben, heißt das nicht zwangsläufig, dass die Wertpapiere höher bewertet sind. Entscheidend ist vielmehr, wie sich die Unternehmensgewinne im Verhältnis zum Zinsniveau entwickeln. Ein Beispiel: Obwohl der Weltaktienindex MSCI-World Mitte der 2000er-Jahre um rund 60 Prozent zulegte, blieb die Bewertung gleich.

Denn weil die Unternehmensgewinne in diesem Zeitraum ebenfalls nach oben kletterten, änderte sich am Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) so gut wie nichts.

Grundsätzlich haben alle Bewertungsmodelle für Aktien ihre Schwachstellen. Zudem bleibt immer eine gewisse Unsicherheit, weil die Modelle Erwartungen und künftige Entwicklungen einbeziehen. Möchte der Anleger eine Aktie oder einen Markt einschätzen, sollte er deshalb nie nur eine Kennzahl betrachten. Gleichzeitig stellt sich die Frage, welche Aussagekraft Größen wie beispielsweise das KGV überhaupt haben.

So mancher Anleger meint, er könnte aus dem KGV ableiten, wie sich die Kurse entwickeln werden. Und die Idee dahinter klingt zunächst logisch: Sind die Märkte hoch bewertet, müssen die Aktienkurse in absehbarer Zukunft sinken, während die Aktien bald steigen müssen, wenn die Märkte billig sind. Doch diese Einschätzung ist falsch.

Denn auch wenn die Aktien hoch bewertet sind, heißt das nicht, dass die Kurse nicht noch weiter steigen können. Niemand kann vorhersagen, wann die Marke erreicht ist, an der es zu einer Wende kommt. Und aus einer Bewertungs-Kennzahl lässt sich das ebenfalls nicht ableiten. Umgekehrt ist nicht gesagt, dass Aktienkurse auf jeden Fall steigen werden, nur weil sie gerade niedrig sind. Wann ein guter Zeitpunkt ist, um Aktien zu kaufen oder zu verkaufen, lässt sich aus Kennzahlen also nicht zuverlässig ablesen.

 

Kennzahlen als für mögliche Renditen

Obwohl Kennzahlen keine verbindlichen Aussagen zulassen, macht es durchaus Sinn, die Bewertung von Aktien zu beobachten. Denn sie ermöglicht Rückschlüsse auf künftige Renditen. Viele Untersuchungen haben gezeigt, dass die Marktbewertung und die Erträge, die Anleger mit den Aktien erzielt haben, miteinander zusammenhängen.

Tatsächlich war es so: Je höher die Aktien bewertet wurden, desto niedriger waren die Renditen, die sie in den folgenden Jahren abwarfen. Andersherum waren die Renditen höher, wenn die Aktienkurse niedrig waren. Dieser Zusammenhang ist durchaus einleuchtend.

Kauft der Anleger seine Wertpapiere günstig ein und verkauft er sie später wieder, stehen die Chancen auf einen soliden Gewinn besser, als wenn der Anleger seine Aktien schon teuer einkauft. Nicht umsonst besagt eine alte Kaufmannregel schließlich, dass der Gewinn im Einkauf liegt.

Diese Kaufmannsregel schein auch an der Börse zu gelten. Ein Beleg dafür ist beispielsweise eine Analyse des S&P 500. Dieser amerikanische Aktenindex umfasst die 500 größten US-Unternehmen, die an der Börse notiert sind. Der US-amerikanische Aktienmarkt-Stratege Mebane Faber analysierte den S&P 500 über einen Zeitraum von über 100 Jahren. Und seine Berechnungen zeigten: Fiel das Shiller-KGV für ein Jahr mit Werten zwischen 5 und 10 sehr niedrig aus, bewegten sich die durchschnittlichen Renditen in den folgenden zehn Jahren bei drei Vierteln der Aktien in einem Bereich zwischen 14 und 20 Prozent.

Im Unterschied dazu waren die Renditen bei Aktien mit einem Shiller-KGV zwischen 20 und 45 eher mager. Bei etwa der Hälfte der Wertpapiere lagen die Durchschnittsrenditen in den darauffolgenden zehn Jahren bei – 1,4 bis 5 Prozent. Bei anderen Aktien lief es zwar etwas besser. Doch mehr als knapp 9 Prozent Jahresgewinn waren für die Anleger nicht drin.

Ein paar Ausnahmen gab es aber trotzdem. So warfen einige Aktien hohe Gewinne ab, obwohl sie zum Zeitpunkt des Kaufs teuer waren, während andere Wertpapiere trotz sehr niedriger Kurse in den Folgejahren keine großartigen Erträge erzielten.

Gleichzeitig können die Kennzahlen eine Art Alarmsignal sein. Anfang der 1930er-Jahre etwa schossen die Aktienbewertungen regelrecht in die Höhe. Kurze Zeit später folgte der Börsencrash. Ende der 1990er-Jahre war es ähnlich. Seinerzeit erreichte das Shiller-KGV den höchsten Wert, der jemals ermittelt wurde. Doch es sollte nicht lange dauern, bis die Euphorie an der Börse mit dem Zusammenbruch der Märkte ein jähes Ende fand. Behält der Anleger die Entwicklung der Kennzahlen im Auge, kann er sich also möglicherweise vor hohen Verlusten schützen.

 

Fazit

Aktien können durchaus eine sinnvolle Geldanlage sein. Allerdings sollte der Anleger Aktien als langfristiges Investment mit einem Horizont zwischen zehn und 15 Jahren sehen. Denkt der Anleger so langfristig, kann ihm vor allem das Shiller-KGV eine gute Orientierung bieten.

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass ein niedriges Shiller-KGV auf einen guten Zeitpunkt für den Einstieg hinweist und im kommenden Jahrzehnt passable Renditen drin sind. Schießen die Bewertungen hingegen in die Höhe, kann das ein Anzeichen dafür sein, dass der Anleger über einen Ausstieg nachdenken sollte. Es sei denn, er hat einen so langen Atem, dass er abwarten kann, bis sich die Kurse nach einem Absturz wieder erholt haben.

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Veröffentlicht von

Redaktion

Armin Stolz, 47 Jahre, Finanzberater, Siegmund Taubel, 53 Jahre, Investmentbanker, Marina Mekovic, 38 Jahre, Aktienanalystin schreiben hier Wissenswertes, geben Tipps und Ratgeber zu Geldanlagen, Investments und allgemeine Finanzthemen.

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