Basiswissen: Investment in Aktien, Teil III

Basiswissen: Investment in Aktien, Teil III

Je niedriger das Zinsniveau ist, des weniger kann sich ein Zinseszinseffekt entwickeln. Genau dieser Zinseszinseffekt ist aber notwendig, damit klassische Anlageprodukte Renditen erzielen können. Gleichzeitig sollte die Verzinsung höher sein als die Inflationsrate, denn andernfalls hat der Anleger infolge der Inflation nicht viel von seinen Erträgen.

Alles in allem wird ein langfristiger Vermögensaufbau ohne Aktien vermutlich nicht funktionieren. Hierzulande ist die Skepsis gegenüber Aktien aber insbesondere unter privaten Anlegern groß.

Dabei ist ein Investment in Aktien weder so risikobehaftet noch so kompliziert wie oft angenommen. In einem mehrteiligen Beitrag bringen wir etwas Licht ins Dunkel. Dabei haben wir in den beiden ersten Teilen erklärt, warum Aktien Gewinne ermöglichen, wie die Kursschwankungen zustande kommen und wonach sich der Börsenhandel richtet.

Hier folgt nun Teil III mit Basiswissen zum Investment in Aktien:

 

Wie sind die Aktienmärkte eingeteilt?

Um den Überblick zu gewährleisten, sind Aktienmärkte in verschiedene Segmente eingeteilt. Eine Unterscheidung bezieht sich dabei auf die Unternehmensgröße. Die Konzerne mit der höchsten Marktkapitalisierung werden als Standardwerte bezeichnet.

Daneben werden auch die Begriffe Blue-Chips oder Large-Chips verwendet. In Deutschland sind die 30 größten Standardwerte im Deutschen Aktienindex, kurz DAX, notiert. Mittelgroße Unternehmen werden im Börsenjargon Mid-Caps genannt. Sie sind hierzulande im MDAX gelistet.

Der SDAX wiederum führt kleinere Unternehmen, die sogenannten Small-Caps, auf. In Abgrenzung zu den Standardwerten werden die Mid- und die Small-Caps als Nebenwerte bezeichnet.

Ein Aktienindex verwendet eine einzige Zahl, um auszudrücken, wie sich die in dem Index gelisteten Unternehmen entwickeln. Diese Zahl zeigt somit die durchschnittliche Entwicklung eines ganzen Marktes. Um einen Index zu berechnen, werden bestimmte Formeln verwendet. Anschließend wird der Wert des Index in Indexpunkten gemessen.

In den Börsennachrichten heißt es dann, dass der DAX am jeweiligen Tag beispielsweise bei 9.200 Zählern steht oder mit 9.000 Punkten geschlossen hat. Prinzipiell steigt ein Aktienindex dann, wenn die Werte der darin notierten Unternehmen überwiegend steigen. Fallen hingegen die Aktienkurse, sinkt auch der Punktestand des Index.

In fast jedem Land, in dem es einen Aktienmarkt gibt, existiert auch ein Index. Dieser Index wiederum kann mehrere einzelne Indizes umfassen. Der Hauptindex, der die bedeutendsten Standardwerte listet, wird Leitindex genannt. Er repräsentiert den Markt des jeweiligen Landes und hat deshalb für Marktbeobachter die größte Bedeutung.

In Deutschland ist der DAX dieser Leitindex. Das US-amerikanische Pendant dazu ist der S&P 500. Er bildet die 500 größten Unternehmen ab. Der Dow Jones wiederum ist ein US-amerikanischer Aktienindex mit langer Tradition, gilt unter Experten aber als nicht repräsentativ.

Ein weiterer, sehr wichtiger Aktienindex ist der MSCI-World-Index. Er umfasst über 1.600 Standardwerte und Mid-Caps aus 23 verschiedenen Staaten und ist damit eine Art globaler Leitindex. Die 23 gelisteten Staaten sind allesamt entwickelte Volkswirtschaften.

Länder wie China oder Indien, die auf dem Weltmarkt eine bedeutende Rolle spielen, vom Indexanbieter aber als Schwellenlänger eingestuft sind, werden in einem separaten Aktenindex notiert. Dieser Index nennt sich MSCI Emerging Markets.

Die Zusammensetzung von einem Aktienindex unterliegt einer regelmäßigen Prüfung. Steigt der Börsenwert eines mittelgroßen Unternehmens, das im MDAX gelistet ist, beispielsweise so stark an, das das Unternehmen einen DAX-Konzern überholt, kann dieses Unternehmen in den DAX aufsteigen.

Im Gegenzug steigt ein anderes Unternehmen aus dem Leitindex in einen untergeordneten Index, in diesem Fall in den MDAX, ab. Auf dem Börsenparkett spiegelt sich eine solche Entwicklung ebenfalls wider. Fondsmanager, die die Indexentwicklung als Basis nehmen, verkaufen nämlich die Aktien des Absteigers, was den Aktienkurs nach unten drücken kann.

Die Aktien des Aufsteigers hingegen kaufen sie und tragen so zur positiven Entwicklung dieser Kurse bei.

Insgesamt gibt es sehr viele verschiedene Unterscheidungsmerkmale und dementsprechend auch viele Indizes auf den Aktienmärkten. Die Unternehmensgröße, die Branche oder die Region sind Beispiele für solche Einteilungsmerkmale. Eine weitere wichtige Unterscheidung ist die Berechnung. In diesem Zusammenhang wird zwischen Kurs- und Performance-Indizes unterschieden.

Ein Kurs-Index bildet nur die Kursgewinne der Unternehmen ab, die in dem Index gelistet sind. Ein Performance-Index gibt sowohl die Kursgewinne als auch die Dividenden wieder. Dabei legt die Berechnung die Annahme zugrunde, dass die Gewinnausschüttungen wieder in die Aktien der jeweiligen Unternehmen fließen. Der DAX als deutscher Leitindex wird als Performance-Index berechnet.

 

Woraus ergeben sich die Renditen bei Aktien?

Für den jährlichen Ertrag einer Aktie sind zwei Komponenten maßgeblich. Zum einen sind dies die Kursgewinne oder -verluste und zum anderen die eventuell ausgeschütteten Dividenden. Allerdings zahlen nicht alle Unternehmen die Gewinne anteilig an die Aktionäre aus.

Stattdessen behalten sie die Gewinne mitunter ein und finanzieren auf diese Weise ein weiteres Unternehmenswachstum. Bei den DAX-Unternehmen waren die Dividenden in den vergangenen Jahrzehnten durchschnittlich zu rund 50 Prozent für die Wertentwicklung verantwortlich.

Die Dividendenrendite lag bei den Unternehmen, die im MSCI World Index gelistet sind, in den vergangenen Jahrzehnten bei durchschnittlich drei Prozent. Die Dividendenrendite beziffert die jährliche Ausschüttung im Verhältnis zum aktuellen Aktienwert.

Die vergleichsweise hohen Renditen, die Aktien in der Vergangenheit einbrachten und auch für die Zukunft versprechen, gehen allerdings mit entsprechend hohen Risiken einher. Auf den Kapitalmärkten ist es nun einmal so etwas wie ein eisernes Gesetz, dass dort, wo satte Erträge winken, immer auch hohe Verlustrisiken drohen.

Tages- und Festgeldkonten oder Lebensversicherungen gehören zu den sicheren Geldanlagen. Das Risiko, dass das angelegte Kapital verloren geht, ist minimal. Der Preis für diese Sicherheit ist im Gegenzug aber die sehr viel niedrigere Rendite.

Aktienkurse können heftig ausschlagen, nach oben wie nach unten. Vor allem wenn die Aktienkurse über eine längere Phase hinweg nach oben geklettert sind, sind Abstürze um gute 10 Prozent keine Seltenheit. Noch gravierendere Abstürze sind zwar Ausnahmen, können aber vorkommen. So ist beispielsweise der MSCI World Index auf Eurobasis zwischen 2000 und 2003 um mehr als die Hälfte heruntergerasselt. Seinerzeit war die Technologieblase geplatzt.

Bis deutsche Anleger ihre Verluste wieder ausgeglichen hatten, dauerte es weit über zehn Jahre, teilweise hält die Aufholjagd bis heute an. Als die Finanzkrise 2008, 2009 ihren Höhenpunkt erreichte, brachen die Aktienkurse ebenfalls ein. Auch hier mussten Anleger zwischenzeitlich Verluste von fast 50 Prozent verkraften. Knapp sechs Jahre später waren die Verluste aber wieder ausgeglichen.

Das ist dann zugleich auch die gute Nachricht:

Aktienkurse können zwar heftig schwanken und je höher die Renditechancen sind, desto höher sind auch die Verlustrisiken. In der Börsengeschichte bleiben heftige Abstürze aber meist kurze Kapitel und fast alle Kurse, die irgendwann einen erheblichen Wertverlust verzeichnen mussten, haben sich früher oder später auch wieder erholt.

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