7 Fragen rund um die Inflation, Teil 2

7 Fragen rund um die Inflation, Teil 2

Wer die Preise etwas im Blick hat, stellt fest, dass einige Dinge teurer und andere Dinge günstiger werden. Natürlich verändern sich Preise nicht von selbst. Stattdessen werden sie von Menschen kalkuliert und dann entsprechend erhöht oder gesenkt. Klettern die Preise für das alltägliche Leben aber konstant nach oben, verliert Geld an Wert. Im Laufe der Zeit kann sich der Verbraucher so immer weniger von seinem Einkommen leisten. Auch der Gegenwert der Ersparnisse sinkt. Das ist der Moment, in dem das Stichwort Inflation fällt.

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7 Fragen rund um die Inflation, Teil 2

In einem zweiteiligen Beitrag schauen wir uns die Sache mit der Inflation einmal genauer an und beantworten sieben Fragen dazu. Dabei haben wir in Teil 1 erklärt, wie sich die Preisgestaltung entwickelt, wie in Deutschland die Inflationsrate berechnet wird, wie sich die Inflation auf die Kaufkraft auswirkt und welche Rolle die Europäische Zentralbank (EZB) bei der Inflation spielt.

Hier ist Teil 2!:

  1. Was hat es mit dem Realzins auf sich?

Fünf Prozent Zinsen auf das Sparguthaben klingen toll. Und in den 1980er-Jahren waren solche Zinssätze in der Bundesrepublik durchaus üblich. Allerdings war damals auch die Inflationsrate deutlich höher. Laut Statistischem Bundesamt lag sie zum Beispiel im Jahr 1981 bei 6,3 Prozent.

Damit kommen wir zu einer wichtigen Unterscheidung, nämlich der zwischen dem Nominal- und dem Realzins. Der nominale Zins beziffert den Zinssatz, den eine Bank für Guthaben gewährt. Wenn bei der Beschreibung von Finanzprodukten, in den Preisaushängen der Banken oder im Online-Banking von Zinsen die Rede ist, dann geht es dabei meistens um den Nominalzins.

Wichtiger ist aber eigentlich der Realzins. Denn der Realzins gibt die Differenz zur Teuerungsrate wieder und zeigt damit an, wie viel an Wert das angelegte Geld eines Sparers gewonnen oder verloren hat. 1981 beispielsweise lag der Realzins bei minus 1,3 Prozent. In diesem Jahr hatte Sparguthaben somit real um 1,3 Prozent an Wert verloren, obwohl die Guthabenzinsen sehr hoch waren. Nur nutzte das dem Sparer bei der ebenfalls sehr hohen Inflationsrate wenig.

Eine niedrige Verzinsung von Guthaben ist faktisch also nichts, was erst die jüngere Vergangenheit mit sich gebracht hat. Für den Anleger macht es aber natürlich Sinn, nach Finanzprodukten mit möglichst hohem Nominalzins zu suchen. Denn trotz der Inflation bleibt bei hohen Nominalzinsen ein etwas höherer Realzins übrig.

Allerdings sollte sich der Anleger nicht von Werbeversprechen oder Zinsen, die deutlich über dem Marktniveau liegen, blenden lassen. Denn wenn ein Anbieter statt der üblichen 0,5 Prozent Zinsen 3, 5 oder noch mehr Prozent in Aussicht stellt, gibt es meistens einen Haken.

So ist zum Beispiel möglich, dass der Anbieter irgendwo im Ausland sitzt und im Ernstfall keine Einlagensicherung greift, die Geldanlage weder lizenziert ist noch kontrolliert wird oder hinter einem vermeintlich sicheren Produkt in Wahrheit ein hoch riskantes, spekulatives Geschäft steckt.

  1. Welche Geldanlagen bieten Schutz vor Inflation?

Geldanlagen wie Tages- und Festgeld, Bundesanleihen, das klassische Sparbuch oder eine Kapital-Lebensversicherung zählen zu den sicheren Finanzprodukten. Allerdings spiegeln sich die sehr niedrigen Verlustrisiken in einer entsprechend geringen Verzinsung wider. Der Inflation können solche Anlagen langfristig deshalb wenig entgegensetzen.

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Bei Aktien sieht es anders aus. Aktien sind nämlich Unternehmensbeteiligungen und somit Sachwerte. Ihr Gegenwert ist kein festgelegter Eurobetrag, sondern verändert sich mit der Beurteilung durch die Anleger. Steigende Preise führen dazu, dass die Unternehmen mehr Geld in den Kassen haben. Insofern ist ein Investment in Aktien zumindest ein Stück weit vor der Inflation geschützt.

Eine hohe Inflationsrate verursacht zwar auch für die Unternehmen höhere Kosten. Denn für das Personal und die Rohstoffe müssen sie mehr bezahlen. Doch wenn der Anleger Aktien von verschiedenen, international tätigen Unternehmen in seinem Depot hat, streut er das Risiko.

Die Vergangenheit zeigt außerdem, dass Wertpapiere selbst in großen Krisen einen gewissen Wert behalten. So haben zum Beispiel die Geldentwertungen nach den beiden Weltkriegen Aktionäre in Deutschland weniger stark getroffen als Sparer und Bargeldbesitzer.

Gold und Immobilien zählen ebenfalls zu den Sachwerten. Auch sie sind daher in gewissem Umfang inflationsgeschützt. Allerdings wirft Gold keine laufenden Gewinne wie Zinsen, Dividenden oder Mieten ab. Gewinne oder Verluste ergeben sich durch den Handel. Doch weil der Goldpreis mitunter heftig schwankt, sollte der Anleger nur einen kleinen Teil seines Vermögens in Gold anlegen.

Immobilien sind teuer und binden viel Geld. Verliert ein Haus, eine Wohnung oder ein Grundstück an Wert, wirkt sich das deutlich auf das Gesamtvermögen des Anlegers aus. Das Risiko ist dann ähnlich hoch, wie wenn der Anleger sein ganzes Geld in die Aktien von einer einzigen Firma steckt. Mit Blick auf die Inflation und die Verlustrisiken fährt der Anleger also mit einer möglichst breiten Risikostreuung am besten.

  1. Ist in Deutschland mit einer Geldentwertung zu rechnen?

Zuletzt hat die Corona-Krise vieles mächtig durcheinandergewirbelt. Ob nun eine spürbare Inflation droht, kann aber letztlich niemand mit Gewissheit vorhersagen. Riesige Hilfspakete der Regierungen bringen zwar viel frisches Geld in Umlauf. Doch diese Vorgehensweise gibt es schon seit der Wirtschafts- und Finanzkrise. Die Inflation ist dadurch nicht nennenswert gestiegen.

In der Debatte um die künftige Preisentwicklung lautet ein Argument, dass die wachsende Geldmenge die Inflation erhöhen wird. Die Unternehmen können auf günstige Kredite zurückgreifen und so investieren. Das Gegenargument ist, dass die Zentralbanken heute bessere Instrumente haben, um eine Inflation einzudämmen. Außerdem agieren sie transparenter und unabhängiger als früher.

Ein anderes Argument für eine steigende Inflation ist, dass Schwellenländer wie zum Beispiel China wieder vermehrt Produkte aus Europa kaufen werden. Das lässt bei uns den Wohlstand und die Preise nach oben klettern. Die Gegenseite hält dagegen, dass die Globalisierung mit einer weltweiten Konkurrenz einhergeht. Das bremst steigende Preise und Löhne aus.

Seriös kann niemand vorhersehen, welches Szenario in welcher Form eintreten wird. Der Anleger kann sich wappnen, indem er risikoarme mit etwas risikoreicheren Anlagen mischt, also zum Beispiel auf einen Mix aus Tages- oder Festgeld und Aktien setzt.

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Armin Stolz, 47 Jahre, Finanzberater, Siegmund Taubel, 53 Jahre, Investmentbanker, Marina Mekovic, 38 Jahre, Aktienanalystin, sowie ferya Gülcan , Redakteurin und Betreiberin dieser Webseite, schreiben hier Wissenswertes, geben Tipps und Ratgeber zu Geldanlagen, Investments und allgemeine Finanzthemen.

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