Was ist Crowdinvesting?

Was ist Crowdinvesting? 

Eine vergleichsweise junge Form für die Finanzierung bestimmter Projekte ist das Crowdfunding. Crowdfunding bedeutet übersetzt soviel wie Schwarmfinanzierung und die Idee dahinter ist, dass sich viele Geldgeber an der Realisierung eines Projekts beteiligen.

Dafür werden die Vorhaben auf speziellen Internetplattformen vorgestellt und gleichzeitig Investoren gesucht, die die Vorhaben finanziell unterstützen. 

In der Anfangsphase wurde das Instrument des Crowdfunding in erster Linie für Projekte aus dem Bereich Soziales, Kunst, Literatur, Musik und Film eingesetzt. Mittlerweile findet das Crowdfunding bei den verschiedensten Vorhaben Anwendung, wobei meist dann auf dieses Finanzierungsmodell zurückgegriffen wird, wenn der Initiator die erforderlichen Mittel für sein Projekt nicht auf herkömmlichen Wegen wie beispielsweise über Kredite beschaffen kann oder will.

Die Investoren erhalten als Gegenleistung keine Zinsen oder Dividenden, sondern ihre Beteiligung wird durch Sachgüter oder kleinere Privilegien honoriert. Insofern hat die finanzielle Beteiligung beim Crowdfunding den Charakter einer Spende und ist daher auch keine Form der Geldanlage im klassischen Sinne.   

Was ist Crowdinvesting?

Die Idee des Crowdfunding bildete die Basis für einen weiteren Ansatz, nämlich das Crowdinvesting. Im Unterschied zum Crowdfunding sind die finanziellen Beteiligungen beim Crowdinvesting keine Spenden. Stattdessen erhalten die Investoren als Gegenleistung Zinszahlungen in einer bestimmten Höhe. Denkbar ist außerdem, dass sich das Projekt so erfolgreich entwickelt, dass ein Großinvestor Interesse zeigt und die Anleger ihre Anteile mit Gewinn verkaufen können.

Das Crowdinvesting ist vor allem unter Start-Up Unternehmen beliebt, aber auch Projekte im Bereich Erneuerbare Energien, Klima- und Umweltschutzes sowie Soziales werden gerne auf diesem Wege finanziert. Die konkrete Form der Beteiligung hängt von dem jeweiligen Projekt ab. Grundsätzlich sind alle Formen der Unternehmensbeteiligung möglich, angefangen bei Unternehmensanleihen über Genussrechte bis hin zu stillen Beteiligungen.

Ein Investor kann sich als Kommanditist an einer GmbH & Co. KG beteiligen oder als Kreditgeber auftreten. Mitspracherechte werden dem Investor jedoch üblicherweise nicht eingeräumt. Für alle Beteiligungsformen gilt, dass der Anleger eine finanzielle Gegenleistung für sein investiertes Geld bekommt. Hier kann es sich um Zinsen in einer fest vereinbarten Höhe oder um variable Zahlungen, beispielsweise in Form von Gewinnbeteiligungen, handeln. Die Laufzeiten können je nach Projekt eher kurz oder über mehrere Jahre angelegt sein.

Problematisch an Projekten mit mehrjährigen Laufzeiten kann werden, dass ein Anleger meist nicht oder nur mit Verlusten vorzeitig wieder aussteigen kann. Die Anbieter erklären zwar vielfach, dass es jederzeit möglich wäre, die Unternehmensbeteiligung zu verkaufen oder auf eine andere Person zu übertragen. Allerdings muss in diesem Fall erst einmal ein Interessent gefunden werden, der die Anteile zu einem angemessenen Preis kaufen will.

Entscheiden sich gleich mehrere Anleger dafür, aus dem Projekt auszusteigen, kommen Zahlungsverpflichtungen auf das Unternehmen zu, die schlimmstenfalls das gesamte Crowdfunding-Projekt in ernsthafte finanzielle Schwierigkeiten bringen können. Wie bei allen unternehmerischen Beteiligungen fließt auch beim Crowdfunding nicht das gesamte Geld unmittelbar in Sachwerte. Stattdessen wird das Kapital auch genutzt, um damit die Kosten für beispielsweise die Geschäftsführung, Reparaturen und Wartungen, Versicherungen oder das Marketing zu decken.

Beim Crowdinvesting kommen außerdem noch die Kosten dazu, die für die Nutzung des Onlinevermittlungsportals entstehen. Für den Anleger heißt das, dass er überhaupt erst dann auf Gewinne hoffen kann, wenn das Projekt so gut läuft, dass die erwirtschafteten Beträge höher ausfallen als die Kosten. Ein weiteres Risiko ergibt sich daraus, dass die Crowdinvesting-Projekte meist ganz am Anfang stehen. Ein junges Unternehmen muss sich erst einmal auf dem Markt behaupten und die Zeit muss zeigen, ob die Planungen realistisch waren.

Die in Aussicht gestellten Renditen oder Gewinne sind daher keineswegs garantiert, sondern lediglich prognostiziert. Selbst wenn ein Unternehmen Zinsansprüche zusichert, bringt dieses Versprechen am Ende nicht viel, wenn bei der Realisierung des Projekts Probleme auftauchen und die Gewinne ausbleiben. Scheitert das Projekt, muss der Investor schlimmstenfalls den Totalverlust seines Geldes hinnehmen. Andererseits kennzeichnet sich das Crowdinvesting auch und gerade dadurch, dass sich eine Vielzahl von Geldgebern an einem Projekt beteiligt.

Innerhalb dieses Schwarms kann sich der einzelne Anleger oft schon mit vergleichsweise kleinen Beträgen an der Finanzierung beteiligen. Insofern hält sich der Verlust in Grenzen. Teilweise stellen die Initiatoren der Projekte mithilfe von Informationsblättern oder Prospekten vertiefende Informationen über die Geldanlage zur Verfügung. Eine Prospektpflicht besteht für die meisten Crowdinvesting-Projekte jedoch nicht. Über ein Projekt muss erst dann ein Prospekt erstellt und auch bei der Finanzaufsicht Bafin vorgelegt werden, wenn ein gewisses Finanzvolumen überschritten oder bestimmte Rechtsformen gewählt werden.

Die Bafin prüft allerdings nur, ob die Angaben im Prospekt vollständig und widerspruchsfrei sind. Die Idee hinter dem Geschäftsmodell und der Anbieter werden nicht überprüft. Daher ist auch bei einem durch die Bafin kontrollierten Projekt ein Erfolg nicht automatisch garantiert. 

Wo findet ein Anleger Crowdinvesting-Projekte?

Im Internet gibt es spezielle Plattformen, auf denen die Unternehmen ihre Projekte und sich selbst vorstellen. Die Plattformen sind also zum einen die Kontaktbörse, über die Projektinitiatoren und Anleger, manchmal zudem auch Lieferanten und andere potenzielle Geschäftspartner zusammenkommen. Zum anderen wickeln die Betreiber der Plattformen häufig die Geldflüsse ab.

So nehmen sie die Einzahlungen der Anleger entgegen, leiten sie an die Projekte weiter und veranlassen die Auszahlungen von Zinsen. Daneben gibt es Plattformen, die sich nicht nur auf die reine Vermittlungstätigkeit beschränken, sondern selbst Betreiber von Projekten sind.

Ihre Tätigkeiten lassen sich die Plattformen vergüten. Manchmal wird dazu eine feste Vergütung vereinbart, beispielsweise in Form eines bestimmten Prozentsatzes der benötigten Investitionssumme. Teilweise werden die Plattformen an den Gewinnen des Projekts beteiligt. Wichtig für den Anleger ist deshalb, dass er etwa aus der Projektkalkulation entnehmen kann, welche Kosten durch die Nutzung der Plattform hinzukommen.

Wichtig ist außerdem, dass der Anleger weiß, was mit seinem Geld geschieht, wenn sich nicht genügend Investoren finden. Jedes Projekt hat eine sogenannte Fundingschwelle, die das notwendige Investitionskapital beziffert. Teilweise erhalten die Anleger ihr Geld komplett zurück, wenn nicht genug Kapital eingesammelt und das Projekt deshalb nicht realisiert werden kann. Teilweise behalten die Plattformen einen Teil des Geldes aber auch ein, um damit ihre Kosten zu decken.

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