Wie wirkt sich der Brexit auf die Geldanlagen aus?

Wie wirkt sich der Brexit auf die Geldanlagen aus?

Am 31. Januar hat Großbritannien die Europäische Union verlassen. Gleichzeitig hat damit eine Übergangszeit begonnen, in der die künftigen Beziehungen ausgehandelt werden sollen. Während dieser Übergangszeit bleibt zunächst alles beim Alten. Denn auch wenn Großbritannien kein EU-Mitglied mehr ist, gelten alle EU-Regelungen weiterhin.

Wie wirkt sich der Brexit auf die Geldanlagen aus

Nach derzeitigem Stand soll die Übergangszeit am 31. Dezember 2020 enden. Sollte es bis dahin nicht gelingen, ein umfassendes und tragfähiges Abkommen über die langfristigen Beziehungen zu schließen oder sich auf eine Verlängerung der Übergangsfrist zu einigen, steht erneut ein No Deal Brexit im Raum.

Das Risiko eines No Deal Brexits im Blick haben

Ein endgültiger Austritt Großbritanniens ohne Abkommen dürfte für alle Beteiligten die schlechteste Lösung sein. Dadurch würde sich von einem Tag auf den anderen alles ändern, ohne dass Klarheit darüber bestünde, wie es in Zukunft weitergeht.

Die Vertragsparteien sind natürlich schon dabei, Vorbereitungen zu treffen. So hat zum Beispiel die Europäische Arzneimittelagentur ihren Hauptsitz bereits von London nach Amsterdam verlegt.

Doch Verbraucher müssen damit rechnen, dass etwa bei Online-Einkäufen plötzlich Steuern und Zölle fällig werden. Reisen könnten komplizierter werden und eine Auslandsreiseversicherung erfordern.

Zum jetzigen Zeitpunkt ist alles offen. Verbraucher und Anleger sollten deshalb einen möglichen Brexit ohne Deal im Blick haben und nach Möglichkeit wichtige Geschäfte vor Ablauf der Übergangsfrist erledigen.

Wie wirkt sich der Brexit auf die Geldanlagen aus?

Niemand kann vorhersagen, welche Folgen es haben wird, wenn mit Ablauf der Übergangsfrist kein Abkommen zwischen der EU und Großbritannien zustande kommt. Trotzdem gilt: Anleger, die Finanzprodukte, ein Bankkonto oder einen Kredit bei einem britischen Anbieter haben, sollten nichts überstürzen.

Als der Brexit angekündigt wurde, haben die Aktienmärkte mit starken Kursschwankungen reagiert. Gleiches galt für den Wechselkurs des britischen Pfunds. Wird der endgültige Brexit stattfinden, ist gut möglich, dass es wieder zu Turbulenzen auf den Finanzmärkten kommt.

Allerdings ist es nicht ungewöhnlich, dass die Aktien- und Finanzmärkte deutlich auf bedeutsame Ereignisse reagieren. Gleichzeitig zeigt die Erfahrung, dass sich die Turbulenzen oft genauso schnell wieder legen, wie sie gekommen sind.

Außerdem gleichen sich vorübergehende Verluste meist wieder aus, auch wenn das zum Teil etwas länger dauert. Grundsätzliche Trends, die zu langfristigen Änderungen führen, kann ohnehin niemand vorhersehen.

Aktien, Investmentfonds und andere Wertpapiere folgen einer Anlagestrategie, die lang- oder zumindest mittelfristig ausgerichtet ist.

Übereilte Verkäufe widersprechen dieser Strategie. Statt in Panik zu geraten, sollten sich Anleger deshalb in Geduld üben, die Entwicklungen beobachten und besonnen vorgehen. Sonst laufen sie Gefahr, unnötige Verluste zu machen.

Die Ersparnisse bleiben geschützt.

Selbst ein Brexit ohne Deal hat keine Auswirkungen auf die Europäische Einlagensicherung. Anleger, die Ihre Ersparnisse bei einer britischen Bank haben, müssen sich wegen der Absicherung keine Sorgen machen.

Solange Großbritannien keine anderweitigen Regelungen auf den Weg bringt, bleibt für Anleger der Anspruch nach europäischem Standard bestehen.

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85.000 Pfund pro Bankkunde sind dadurch gesichert. Bei ungünstigen Wechselkursen entspricht dieser Betrag zwar nicht immer den 100.000 Euro, die die EU als Absicherung vorgibt. Trotzdem dürfte der Schutz für die meisten Anleger ausreichen. Hinzu kommt, dass sich einige britische Banken, die in Deutschland tätig sind, dem Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes Deutscher Banken angeschlossen haben.

Sollte es zu einer Pleite kommen, sind durch diese freiwillige Sicherheitseinrichtung noch einmal deutlich höhere Beträge abgesichert.

Mit Blick auf den Brexit haben außerdem ein paar britische Banken angekündigt, dass sie ihre Geschäftstätigkeit auf Banken übertragen werden, die in Deutschland lizenziert sind. Durch so einen Übertrag unterliegen die Kundengelder dann ohnehin der gesetzlichen deutschen Einlagensicherung von 100.000 Euro.

Hat die Bank vorher einem privaten Einlagensicherungssystem angehört, das höhere Beträge schützt, sollten Anleger mit Ersparnissen über 100.000 Euro aber nachfragen, ob die höhere Absicherung auch nach einer Übertragung gültig bleibt.

Bei Verträgen wie Lebensversicherungen werden Anleger informiert.

Damit britische Finanzdienstleister auch nach dem Brexit weiterhin Leistungen in der EU erbringen können, brauchen sie eine Konzerngesellschaft in der EU. Ohne eine Konzerngesellschaft können sie mit Verbrauchern keine Geschäfte mehr machen.

Aus diesem Grund haben viele britische Anbieter inzwischen Niederlassungen innerhalb der Europäischen Union gegründet.

Die Europäische Bankaufsichtsbehörde hat die britischen Finanzdienstleister dazu aufgefordert, sich mit ihren Kunden in Verbindung zu setzen, falls deren Verträge über Finanzprodukte wie zum Beispiel Lebensversicherungen oder Investmentfonds nicht fortgeführt werden können, angepasst oder an eine Gesellschaft in der EU übertragen werden müssen.

Anleger müssen also zunächst nicht aktiv werden. Sofern etwas unternommen werden muss, werden sich die Finanzdienstleister bei ihnen melden.

Bittet ein britischer Anbieter um die Zustimmung zu neuen, abgeänderten Konditionen, sollten Anleger die Geschäftsbedingungen genau prüfen. Fürchten sie Nachteile oder kommen Fragen auf, kann eine unabhängige Beratung sinnvoll sein. Die Verbraucherzentralen zum Beispiel können dabei ein guter Ansprechpartner sein.

Kredite in britischen Pfund könnten billiger werden.

Es ist zwar keinesfalls sicher, aber durchaus wahrscheinlich, dass der Euro durch den Brexit gegenüber dem britischen Pfund steigt. Kreditnehmer, die ein Darlehen in Pfund aufgenommen haben, könnten dadurch Gewinne machen. Denn durch den gestiegenen Euro würden die Kreditraten günstiger.

Fremdwährungsdarlehen gehen aber immer mit einem vergleichsweise hohen Risiko einher. Denn schon kleinere Änderungen im Wechselkurs wirken sich deutlich darauf aus, wie teuer der Kredit ist. Dabei sind, je nach längerfristiger Entwicklung der Wechselkurse, sowohl Gewinne als auch Verluste möglich.

Übrigens

Für Anleger und generell Verbraucher, die Fragen dazu haben, wie sie sich auf einen möglichen Brexit ohne Deal vorbereiten können, hat die EU eine kostenlose Hotline eingerichtet. Sie heißt “Europe Direct” und ist kostenfrei unter der Rufnummer 00 800 67891011 zu erreichen.

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Armin Stolz, 47 Jahre, Finanzberater, Siegmund Taubel, 53 Jahre, Investmentbanker, Marina Mekovic, 38 Jahre, Aktienanalystin, sowie ferya Gülcan , Redakteurin und Betreiberin dieser Webseite, schreiben hier Wissenswertes, geben Tipps und Ratgeber zu Geldanlagen, Investments und allgemeine Finanzthemen.

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