Wie funktioniert aktuell Festgeld?

Wie funktioniert aktuell Festgeld?

Wer sein Geld anlegen möchte, hat verschiedene Möglichkeiten zur Auswahl. Eine klassische oder fondsgebundene Lebensversicherung, Aktien oder Tagesgeld sind ein paar Beispiele. Eine weitere Form der Geldanlage ist das Festgeld. Nur: Wie funktioniert das eigentlich? Wie sicher ist Festgeld? Und worauf gilt es zu achten?

Wie funktioniert aktuell Festgeld

Wir geben Antworten!:

Wie funktioniert Festgeld?

Das Festgeld wird auch als Termingeld bezeichnet. Der Anleger legt sein Geld dabei für einen fest vereinbarten Zeitraum an und bekommt im Gegenzug von der Bank Zinsen in einer festgeschriebenen Höhe. Wie hoch der Zinssatz ist, hängt von der allgemeinen Zinsentwicklung ab.

Weil eine vorzeitige Kündigung in aller Regel nicht möglich ist, kann der Anleger nicht so flexibel auf sein Geld zurückgreifen wie bei Tagesgeld. Allerdings sind dafür die Zinsen beim Festgeld meist auch höher.

Außerdem ist das Angebot recht breit gefächert. Von Anlagedauern zwischen einem Monat und zehn Jahren oder mehr ist so ziemlich alles vertreten.

Insgesamt ist aber ratsam, sich für eine eher kurze Laufzeit von maximal drei Jahren zu entscheiden. Und dafür gibt es zwei Gründe. Der erste Grund ist, dass kaum vorherzusehen ist, wie sich die Zinsen über einen langen Zeitraum hinweg entwickeln werden.

Sollten sie steigen, kann der Anleger bei einer kürzeren Laufzeit schneller von der positiven Entwicklung profitieren. Der zweite Grund ist, dass die Banken lange Anlagedauern nicht unbedingt belohnen. Bei Laufzeiten ab vier Jahren fallen die Zinssätze kaum höher aus.

Worauf gilt es bei der Eröffnung eines Festgeldkontos zu achten?

Direktbanken und Zinsplattformen bieten meist die besten Konditionen für Festgeld. Da es bei der Geldanlage als solches zwischen den Anbietern kaum Unterschiede gibt, kann der Anleger seine Entscheidung tatsächlich in erster Linie von der Verzinsung abhängig machen.

Um ein Festgeldkonto zu eröffnen, geht der Anleger im Prinzip genauso vor wie bei der Eröffnung eines Girokontos. Er füllt also die Antragsformulare aus und reicht sie bei der Bank ein.

Bei einem Abschluss online muss sich der Anleger legitimieren. Das erfolgt entweder durch das Postident-Verfahren oder per Videochat. Um den Zahlungsverkehr abzuwickeln, richten die meisten Banken neben dem Festgeldkonto noch ein Verrechnungskonto ein.

Auf ein paar Kleinigkeiten sollte der Anleger bei der Eröffnung eines Festgeldkontos aber achten:

Gemeinschaftskonto

Bei einem Gemeinschaftskonto gibt es zwei oder mehr Kontoinhaber, die über das Konto verfügen können. Eheleute schließen zum Beispiel oft ein Gemeinschaftskonto ab. Allerdings bieten einige Banken Festgeldkonten nur als Einzelkonto an.

Möchte der Anleger sein Festgeldkonto zusammen mit seinem Ehepartner oder einer anderen Person eröffnen, sollte er deshalb sicherstellen, dass das beim jeweiligen Anbieter möglich ist.

Prolongation

Ist die vereinbarte Laufzeit zu Ende, wird das angelegte Geld oft nicht automatisch ausgezahlt. Stattdessen legen viele Banken das Geld erneut für eine weitere Laufzeit an, allerdings zu dem Zinssatz, der dann aktuell ist.

Möchte der Anleger keine automatische Wiederanlage, kann er die Prolongation zum Teil schon im Rahmen der Kontoeröffnung ausschließen. Bei einigen Banken kann er eine Wiederanlage im Online-Banking ablehnen.

Es gibt aber auch Banken, bei denen der Anleger das Festgeldkonto zum Ende der Laufzeit kündigen muss. Der Anleger sollte also nachschauen, was nach der vereinbarten Anlagezeit mit seinem Geld passiert.

Steuern

Entscheidet sich der Anleger für ein Festgeldkonto bei einer deutschen Bank oder einer ausländischen Bank mit Niederlassung in Deutschland, muss er sich um die Steuern keine Gedanken machen.

In diesem Fall kümmert sich nämlich die Bank darum, dass die fälligen Steuern abgeführt werden. Bleibt der Anleger unter dem Sparerfreibetrag, kann er einen Freistellungsauftrag einreichen.

Anders sieht es aus, wenn die Geldanlage über eine ausländische Bank ohne Niederlassung in Deutschland läuft. Hier muss der Anleger oft die Zinserträge selbst ausrechnen und in seiner Einkommensteuererklärung angeben.

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FATCA und PeP

Einige Banken fragen bei der Kontoeröffnung ab, ob der Anleger in den USA steuerpflichtig oder eine politisch exponierte Person ist. Bejaht der Anleger eine dieser Fragen, wird ihm teilweise ein Festgeldkonto verweigert.

Hintergrund hierzu ist zum einen das US-amerikanische Steuergesetz namens Foreign Account Tax Compliance Act, kurz FATCA. Das Gesetz soll Steuerflucht vorbeugen.

Banken mit Sitz in Deutschland sind insofern von dem Gesetz betroffen, als dass sie den US-Steuerbehörden die Daten der jeweiligen Bankkunden melden müssen. Zum anderen hat die Bundesfinanzaufsicht festgestellt, dass politisch exponierte Personen, kurz PeP, eher in Korruption verwickelt sind.

Wie sicher ist Festgeld?

Die besten Festgeldangebote stammen oft von kleinen bis mittelgroßen, mitunter recht unbekannten Banken aus dem Ausland. Weil die Sicherheit im Zweifel schwerer wiegen sollte als eine Nachkommastelle beim Zinssatz, sollte der Anleger abwägen, wo er sein Geld anlegt.

Grundsätzlich ist das Guthaben auf einem Festgeldkonto innerhalb der EU und des EWR durch die gesetzliche Einlagensicherung bis zu einer Höhe von 100.000 Euro pro Bank und Kunde geschützt.

Das Sicherungssystem schließt alle Anbieter ein, die eine Banklizenz haben. Gehört die Bank freiwillig einem zusätzlichen Sicherungsfonds an, können auch höhere Einlagen abgesichert sein.

Tatsächlich kann aber niemand vorhersagen, ob die Einlagensicherung im Ernstfall funktioniert. Falls nicht, müsste der jeweilige Staat einspringen. Das kann er aber nur, wenn er wirtschaftlich entsprechend gut da steht.

Der Anleger sollte deshalb auf Banken setzen, die Mitglied im gesetzlichen Einlagensicherungsfonds eines wirtschaftsstarken Landes sind und seit mindestens zwei Jahren in Deutschland Festgeldkonten anbieten.

Dadurch sollte sein Geld sicher sein. Zusätzlich dazu kann er das Risiko streuen, indem er sein Festgeld zwei verschiedenen Banken anvertraut.

Was ist die beste Anlagestrategie bei Festgeld?

Wie oben schon erwähnt, sollte der Anleger nicht unbedingt längere Laufzeiten als drei Jahre wählen.

Möchte er sein Geld doch länger fest anlegen, ohne dabei die komplette Flexibilität einzubüßen, bieten sich vor allem zwei Anlagestrategien an:

Zinstreppe

Der Anleger kann den Geldbetrag, den er festverzinslich anlegen möchte, in beispielsweise drei Teilbeträge aufteilen. Anschließend schließt er für die Teilbeträge jeweils eigene Verträge mit gestaffelten Laufzeiten von einem, zwei und drei Jahren ab.

Auf diese Weise endet jedes Jahr ein Vertrag. Dieses Geld kann der Anleger dann für drei weitere Jahre anlegen, falls er es nicht anderweitig verwenden will.

Durch diese Anlagestrategie, die auch Zinstreppe genannt wird, bleibt der Anleger recht flexibel und profitiert vor allem von zwischenzeitlich gestiegenen Zinsen.

Grundsätzlich kann der Anleger einen Teil der Verträge auch länger laufen lassen. Sinnvoll ist das aber nur dann, wenn der Zinssatz für eine längere Laufzeit deutlich höher ist oder wenn sich die Zinsen aktuell auf einem hohen Niveau befinden.

Mix aus Fest- und Tagesgeld

Eine andere Strategie ist, das Anlagekapital in zwei Hälften aufzuteilen. Eine Hälfte kann der Anleger dann als Festgeld mit dreijähriger oder längerer Laufzeit anlegen, die andere Hälfte als Tagesgeld.

Durch das Tagesgeld bleibt der Anleger flexibel und kann jederzeit auf dieses Geld zurückgreifen.

Die Zinserträge sind bei dieser Strategie ähnlich hoch wie bei der Zinstreppe. Zudem verursacht sie weniger Aufwand. Denn der Anleger muss nicht alljährlich nach guten Angeboten suchen, um das fällige Festgeld möglichst renditestark umzuschichten.

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Armin Stolz, 47 Jahre, Finanzberater, Siegmund Taubel, 53 Jahre, Investmentbanker, Marina Mekovic, 38 Jahre, Aktienanalystin, sowie ferya Gülcan , Redakteurin und Betreiberin dieser Webseite, schreiben hier Wissenswertes, geben Tipps und Ratgeber zu Geldanlagen, Investments und allgemeine Finanzthemen.

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