Die Risiken bei Direktinvestments

Die Risiken bei Direktinvestments

Bei einem Direktinvestment legt der Anleger sein Kapital in Sachwerten an. Das können zum Beispiel Schiffscontainer, Güterwaggons, Solaranlagen, Windräder, Baumplantagen oder Immobilien sein. Durch das Anlagekapital wird er dann entweder zum Miteigentümer oder zum alleinigen Eigentümer. Doch genau das bringt Risiken mit sich, über die sich der Anleger im Klaren sein sollte.

Die Risiken bei Direktinvestments

Die Funktionsweise von Direktinvestments

Entscheidet sich der Anleger für ein Direktinvestment, steckt er sein Geld in einen Sachwert. Meist ist dieser Sachwert bereits in Betrieb. Der Anleger wird durch sein Investment dann zum alleinigen oder teilweisen Eigentümer.

Mit dem Anbieter schließt der Anleger einen Vertrag über eine bestimmte Laufzeit. Bei den meisten Direktinvestments sind drei bis fünf Jahre üblich. Während der Vertragslaufzeit wird der Sachwert vermietet oder verpachtet und der Anleger bekommt die monatlichen Pacht- oder Mieteinahmen.

Ist der Vertrag abgelaufen, verkauft der Anleger seine Anteile wieder zurück an den Anbieter. Der Restwert, zu dem der Anbieter die Anteile zurücknimmt, ist von Anfang an vertraglich festgelegt.

Dabei kann gut sein, dass der Rückkauf-Preis geringer ist als der Betrag, den der Anleger investiert. Doch durch die Miet- oder Pachteinnahmen während der Vertragslaufzeit soll sich unterm Strich ein Gewinn für den Anleger ergeben.

Typische Modelle für Direktinvestments gehen zum Beispiel so:

Schiffscontainer und Güterwagen

Der Anleger investiert sein Geld in Schiffscontainer oder Güterwaggons, die oft schon an Transportunternehmen vermietet sind. Während der Vertragslaufzeit werden die erzielten Mieteinnahmen an den Anleger ausgezahlt.

Nach Ablauf des Vertrags nimmt der Anbieter die Container oder Waggons zurück und erstattet dem Anleger den Zeitwert.

Windräder, Solaranlagen und Immobilien

Geht es bei dem Direktinvestment um ein Windrad, wird der Anleger zum Miteigentümer eines aktiven Windrads oder eines Windrad-Parks. Während der Vertragslaufzeit ist er an den Einnahmen beteiligt, die sich durch den Strom ergeben, die die Windräder produzieren und ins Stromnetz einspeisen.

Auf dem gleichen Prinzip basieren Direktinvestments in Solaranlagen. Auch hier verdient der Anleger an den Erlösen aus dem produzierten Strom mit. Bei Immobilien wiederum werden die erzielten Mieteinnahmen an den Anleger ausbezahlt.

Der Haken ist nur, dass diese drei Sachwerte sehr teuer sind und es viele Jahre dauert, bis sie sich refinanziert haben und tatsächlich Gewinne abwerfen.

Baumplantagen

Bei einem Direktinvestment in eine Baumplantage wird der Anleger zum Teileigentümer einer Waldfläche und den Bäumen, die dort angepflanzt werden. Solange der Vertrag läuft, übernimmt der Anleger die Kosten, die für die Aufzucht der Bäume und die Bewirtschaftung der Fläche entstehen.

Im Gegenzug kassiert er die Erlöse aus dem Verkauf der Ernten. Läuft der Vertrag ab, soll der Verkauf der Bäume dem Anleger mehr Geld einbringen als der Kauf und die Aufzucht der Jungbäume bis dahin gekostet haben.

Die Risiken bei Direktinvestments

Direktinvestments werden oft als solide und sichere Geldanlagen beworben. Schließlich fließt das Geld nicht in irgendwelche abstrakten Wertpapiere, sondern in konkrete und greifbare Sachwerte.

Außerdem sind die Laufzeiten überschaubar und die Rückkaufswerte verbindlich vereinbart. Teilweise verpflichten sich die Anbieter sogar dazu, schon während der Vertragslaufzeit regelmäßige Auszahlungen in einer bestimmten Höhe vorzunehmen.

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Doch die Realität sieht ein wenig anders aus. Denn Direktinvestments sind durchaus mit Risiken verbunden. Diese hängen damit zusammen, dass der Anleger zum teilweisen oder vollständigen Eigentümer des jeweiligen Sachwerts wird.

Daraus wiederum ergeben sich zum einen Verpflichtungen und zum anderen Haftungsrisiken. Als weiterer Risikofaktor kommen Wertschwankungen und Wertverluste bei den Investitionsgütern dazu.

Tatsächlich ist bei einem Direktinvestment ein Totalverlust nie ganz ausgeschlossen. Und zusätzlich dazu können den Anleger verschiedene andere Verpflichtungen erwarten.

Ein paar Beispiele:

  • Selbst wenn die Erträge aus dem Direktinvestment ausfallen, laufen die Kosten weiter. Bei einer Waldfläche etwa muss das Personal bezahlt werden, das die Fläche bewirtschaftet, bei einer vermieteten Immobilie der Verwalter. Bei Schiffscontainern werden möglicherweise Hafengebühren fällig, Güterwaggons müssen regelmäßig gewartet und instandgesetzt werden. Als Miteigentümer muss sich der Anleger an diesen Kosten beteiligen.

  • Wird das Anlageobjekt zerstört, kann ein Totalverlust des investierten Geldes die Folge sein. Doch weil der Anleger Miteigentümer ist, muss er trotzdem bis dahin fällige Steuern und Abgaben, Versicherungen und eventuell noch Aufräum- oder Entsorgungskosten bezahlen.

  • Die Haftung als Miteigentümer geht mit der sogenannten Nachschusspflicht einher. Das bedeutet, dass der Anleger mitunter Zahlungen leisten muss, die über das eigentliche Investment hinausgehen. So ein Fall kann eintreten, wenn etwa die Bauarbeiten bei einer Immobilie teurer werden als geplant, die Immobilie anders aber nicht vermietet werden kann.

  • Prinzipiell sichert der Anbieter zwar zu, dass er das Anlageobjekt nach Vertragsende zurückkauft. Allerdings nützt das dem Anleger wenig, wenn der Anbieter zwischenzeitlich insolvent ist. Muss der Anleger dann einen Makler oder Vermittler mit dem Verkauf beantragen, entstehen Zusatzkosten, die den Verkaufserlös schmälern.

Der Anleger sollte sich gut informieren.

Direktinvestments gehören oft zum sogenannten Grauen Kapitalmarkt. Das heißt natürlich nicht, dass die Anlageprodukte schlecht sein müssen oder gar verboten wären. Nur brauchen die Geldanlagen keine Erlaubnis der Finanzaufsicht und sind in geringerem Umfang reguliert.

Die Anbieter sind auch bei Direktinvestments dazu verpflichtet, in ihren Verkaufsprospekten auf die Risiken und die Verpflichtungen als Eigentümer hinzuweisen. Doch oft werden die Vorteile ganz klar in den Vordergrund gestellt und die Risiken bestenfalls am Rande erwähnt.

Insgesamt sind Direktinvestments in erster Linie für Anleger interessant, die viel Erfahrung haben und bereit sind, auch höhere Risiken einzugehen. Alle anderen Anleger sollten sich sehr genau über das jeweilige Produkt informieren und sich im Zweifel von einer unabhängigen Stelle beraten lassen, bevor sie einen Vertrag unterschreiben.

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Armin Stolz, 47 Jahre, Finanzberater, Siegmund Taubel, 53 Jahre, Investmentbanker, Marina Mekovic, 38 Jahre, Aktienanalystin, sowie ferya Gülcan , Redakteurin und Betreiberin dieser Webseite, schreiben hier Wissenswertes, geben Tipps und Ratgeber zu Geldanlagen, Investments und allgemeine Finanzthemen.

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