Die humanitäre Seite von Bitcoin

Die humanitäre Seite von Bitcoin

Viele Kritiker von Bitcoin schauen nicht über den Tellerrand hinaus. Sie leben in einer liberalen Demokratie, besitzen Eigentum, genießen Meinungsfreiheit und hantieren mit einer vergleichsweise stabilen Währung wie dem Euro oder dem US-Dollar. Mit Dingen wie gewaltsamen Konflikten, politischer Verfolgung, Korruption, Unterdrückung, florierenden Schwarzmärkten oder enormer Inflation kommen sie in ihrem Alltag nicht in Kontakt.

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Die humanitäre Seite von Bitcoin

Weil sie in vielerlei Hinsicht privilegiert sind, sehen sie im Bitcoin bestenfalls ein Investment. Doch dass Kryptowährungen wie der Bitcoin einen Nutzen haben, der weit über eine renditeträchtige Investition hinausgeht, sehen sie nicht. Grund genug, einmal die humanitäre Seite von Bitcoin ins Bewusstsein zu rufen:

Bitcoin ermöglicht Teilhabe am Finanzsystem

Rund 1,7 Milliarden Menschen weltweit haben kein Bankkonto und sind nicht an das Finanzsystem angebunden. Durch den Bitcoin kann sich das ändern. Denn um einen Bitcoin Account zu eröffnen, ist weder der Zugang zu einer Bank noch deren Erlaubnis notwendig. Dadurch kann der Bitcoin den Weg zur finanziellen Teilhabe eröffnen.

Ein gutes Beispiel dafür ist El Salvador. In dem mittelamerikanischen Land gehören rund 70 Prozent der Einwohner nicht dem Finanzsystem an. Als dann die Bitcoin-App Strike an den Start ging, dauerte es gerade einmal drei Wochen, bis die Anwendung die App-Liste in El Salvador anführte. Und jeden Tag kommen mehrere tausend Nutzer dazu. Die App verwendet das Lightning Network.

Die neue Möglichkeit zur Teilhabe am Finanzsystem ist aber nur ein Aspekt. Mehr als ein Fünftel des Bruttoinlandsprodukts von El Salvador kommt durch Geschenküberweisungen zustande.

Es sind also Bürger El Salvadors, die im Ausland leben und arbeiten und zum Beispiel ihren Familien Geld nach Hause schicken. Doch solche Überweisungen kosten. Die Banken erheben Gebühren von bis zu 50 Prozent für die Transaktionen. Bitcoin und Lightning Network lösen das Gebührenproblem.

Bitcoin erschwert Korruption

Hohe Transaktionskosten sind ein Minuspunkt beim Versand von Geld ins Ausland. Ein anderes Problem ist Entwicklungshilfe in Form von Finanzmitteln, die ihr eigentliches Ziel nie erreicht. Ein Grund dafür ist, dass die Fördergelder in aller Regel an die lokalen Regierungen fließen und von dort aus weiterverteilt werden sollen.

Doch vor allem autokratische Regime leiten einen Teil der Gelder oder Waren oft innerhalb des eigenen Netzwerks oder an ihre Verbündeten weiter.

Ein weiterer Grund ist, dass Mittelsmänner immer wieder Gelder auf dem Weg von Brüssel oder Washington zu Bauern, Flüchtlingen, lokalen Hilfsorganisationen oder anderen Empfängern abzweigen. Der damalige UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon attestierte im Jahr 2012, dass rund 30 Prozent der gesamten Entwicklungshilfe wegen Korruption nicht an ihrem Bestimmungsort ankommen.

Je nach Land dürfte die Zahl aber noch einmal deutlich höher sein. Bis jetzt waren es Regierungen und große Konzerne, die Zahlungsmittel regulierten und kontrollierten. Mit dem Bitcoin wird das anders.

Bitcoin fördert Unabhängigkeit

In Nigeria liegt die Inflationsrate derzeit bei gut 15 Prozent und die Eliten füllen ihre Taschen zulasten der Bevölkerung. Nachdem die Feminist Coalition, eine Gruppe junger Nigerianerinnen, die sich für die Rechte der Frauen in ihrem Land einsetzt, Geld für einen Protest gegen Polizeigewalt gesammelt hatte, wurde ihr Bankkonto eingefroren. Also ist die Gruppe dazu übergegangen, Spenden nur noch in Bitcoin anzunehmen.

Ähnlich erging es Demonstranten in Weißrussland, die um ihre Freiheit kämpften, oder der gemeinwohlorientierten, in Hongkong ansässigen Internetzeitung HKFP. Keine Regierung kann verhindern, dass eine Transaktion in Bitcoin erfolgt. Im in der Bitcoin Szene zitierten Leitsatz „fix the money, fix the world“ steckt ein wahrer Kern.

Bitcoin unterstützt Gleichberechtigung

In vielen Ländern dieser Welt ist die Inflation ein großes Problem. Um der Geldentwertung etwas entgegenzusetzen, sind die Menschen gezwungen, viel zu arbeiten und sich am besten gleich mehrere Standbeine aufzubauen.

Durch den Bitcoin eröffnet sich für sie die Möglichkeit, Zugang zu Währungen zu bekommen, die wie beispielsweise Stablecoins an den US-Dollar gekoppelt sind.

Es gibt einige Staaten, die komplett vom US-Dollar ausgeschlossen sind. Doch sowohl die Regierungen als auch die Bürger können Bitcoin akzeptieren und als Zahlungsmittel nutzen, um Handel mit anderen Ländern zu betreiben. Ein Land aus dem Bitcoin Netzwerk auszuschließen, ist unmöglich.

Der Erfolg von Bitcoin als humanitärer Zahlungsweg erfordert entweder eine Kreislaufwirtschaft oder soviel Liquidität vor Ort, dass sich der Nutzer die Kryptowährung bei Bedarf in Fiatgeld auszahlen lassen kann. Letzteres hat in den vergangenen Jahren weltweit enorm zugenommen, ersteres baut sich zunehmend auf.

Ein Extrembeispiel an dieser Stelle ist der Sudan. Der damalige Präsident al-Bashir rief eine Art Wirtschaftsabteilung ins Leben und entsandte Mitarbeiter, die die Wohnungen der Bürger nach ausländischen Währungen und Gold durchsuchten. Allein der Versuch, das sudanesische Bankensystem für Devisen zu verwenden oder größere Geldbeträge zu Hause aufzubewahren, wurde drakonisch bestraft.

Doch der Präsident und seine Gefolgsleute sparten zur gleichen Zeit gewaltige Vermögen in ausländischen Währungen an, gut gesichert auf Bankkonten in der Schweiz.

Genau solchem Treiben wollte Satoshi Nakamoto etwas entgegensetzen, als er den Bitcoin erfand. Hinzu kommt, dass keine Regierung unterbinden kann, Bitcoin als Peer-to-Peer-Netzwerk zu nutzen. Eine Regierung kann zwar den Zugang erschweren, aber sie kann die Nutzung nicht beenden.

Fazit

Ob als korruptionsgeschützter Zahlungsweg für weltweite Transaktionen, als inflationssicherer Anschub für wirtschaftliche Unabhängigkeit oder als Unterstützung, um die eigenständige Elektrifizierung in Entwicklungsländern durch erneuerbare Energien voranzubringen:

Fernab von klassischen Finanzinvestitionen hat der Bitcoin humanitäre Aspekte und damit einen Nutzen, dessen Tragweite erst allmählich verstanden wird.

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Veröffentlicht von

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Armin Stolz, 47 Jahre, Finanzberater, Siegmund Taubel, 53 Jahre, Investmentbanker, Marina Mekovic, 38 Jahre, Aktienanalystin, sowie ferya Gülcan , Redakteurin und Betreiberin dieser Webseite, schreiben hier Wissenswertes, geben Tipps und Ratgeber zu Geldanlagen, Investments und allgemeine Finanzthemen.

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