Anlage in Bitcoin & Co.: Chance oder Risiko? Teil II

Anlage in Bitcoin & Co.: Chance oder Risiko? Teil II

Obwohl Kryptowährungen wie der Bitcoin mit ihren Kursen teils wahre Achterbahnfahrten hinlegen, werden sie zunehmend salonfähig. Selbst Anleger und Investoren, die nicht unbedingt technikaffin sind, zeigen Interesse an den virtuellen Währungen. Inzwischen haben Kryptowährungen die Online-Handelsplätze verlassen und reale Terminbörsen, Kaufhäuser, Zahlungsdienste und Fonds erreicht. Sogar konservative Nachrichtensendungen berichten darüber.

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Anlage in Bitcoin & Co. Chance oder Risiko Teil II

Doch wie ist der Boom zu bewerten? Bietet eine Anlage in Bitcoin & Co. eine echte Chance oder ist das Risiko zu hoch? In einer Beitragsreihe gehen wir solchen Fragen auf den Grund.

Hier ist Teil II!:

Reale Steuern auf virtuelles Geld

Ein Aspekt, der bei Gewinnen mit digitalen Währungen oft in Vergessenheit gerät, sind die Steuern. Weil Bitcoins und andere Kryptowährungen zu einem wirtschaftlichen Vorteil führen können, unterliegen sie den gleichen steuerlichen Regelungen wie reale Währungen. Demnach sind Kryptowährungen zwar von der Umsatzsteuer befreit, doch unter Umständen werden Ertragssteuern fällig.

Maßgeblich für die Steuerlast sind der Zeitpunkt und der Preis bei der Anschaffung. Deshalb sollte sich der Anleger immer notieren, wann und zu welchem Kurs er eine Kryptowährung kauft. Denn das Finanzamt kann diese Informationen jederzeit abfragen.

Der Verkauf von Kryptowährungen ist steuerpflichtig, wenn er innerhalb eines Jahres nach dem Ankauf stattfindet. In diesem Fall greift nämlich § 23 EStG (Einkommensteuergesetz), der auch bei zum Beispiel Immobilien angewendet wird. Außerdem muss der Gewinn versteuert werden, wenn die jährliche Freigrenze von 600 Euro erreicht ist.

Liegt der Erwerb mehr als ein Jahr zurück oder bleibt der Gewinn aus Veräußerungsgeschäften unter der Marke von 600 Euro, ist der Verkauf von Kryptowährungen steuerfrei.

Um den Nachweis gegenüber dem Finanzamt führen zu können, braucht der Anleger aber die entsprechenden Aufzeichnungen.

Kryptowährungen auf dem Vormarsch

Digitale Währungen ziehen zunehmend weite Kreise. Mitte 2019 kündigte Facebook an, zusammen mit anderen Unternehmen aus der Digital- und der Finanzbranche eine eigene Währung etablieren zu wollen.

Viele Politiker und Finanzaufsichtsbehörden reagierten zwar mit Widerstand auf die Ankündigung. Trotzdem stellte das Unternehmen im April 2020 bei der Schweizer Finanzaufsicht einen Antrag auf die Lizenz für das neue Zahlungssystem. Die Pläne sehen vor, dass die Kryptowährung noch im Jahr 2021 eingeführt werden soll.

Die chinesische Regierung teilte Ende Mai 2020 mit, dass China das erste Land weltweit sein wird, dass eine Digitalwährung herausgibt. Tatsächlich befindet sich der E-Yuan bereits in einer Testphase und kann an mehreren Stellen als offizielles Zahlungsmittel eingesetzt werden.

Auch die Europäische Zentralbank (EZB) erklärte Anfang 2020 ihre Absicht, eine digitale Währung  einzuführen. Experten sehen darin in erster Linie eine Reaktion auf die Pläne von Facebook.

Um offizielle Währungen vor privater Konkurrenz zu schützen, hat sich die EZB mit den Zentralbanken von Kanada, Großbritannien, Schweden und der Schweiz zusammengeschlossen und gemeinsam mit der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen. Die Arbeitsgruppe soll die Voraussetzungen, die Rahmenbedingungen und die Ausgestaltung einer europäischer Digitalwährung entwickeln.

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Ein konkretes Datum für die Einführung des E-Euro gibt es nicht. Und vor 2025 wird es wohl auch nicht soweit sein. Aber niemand scheint mehr in Frage zu stellen, dass virtuelle Währungen in Zukunft ein fester Bestandteil des Finanz- und Zahlungssystems sein werden.

Anleger sollen mit Bedacht vorgehen

Seit Jahresbeginn 2021 hat der Handel mit Kryptowährungen noch einmal kräftig zugelegt. Trotzdem raten Experten, dass vor allem Privatanleger Vorsicht walten und nur mit kleinen Beträgen einsteigen sollten. Denn digitale Währungen unterliegen starken Kursschwankungen und im schlimmsten Fall ist ein Totalverlust des investierten Kapitals möglich.

Für den Bitcoin und die anderen Kryptowährungen ist zweifelsohne ein Markt entstanden, der inzwischen eine hohe Nachfrage verzeichnet. Aber die Frage, ob ein privates Währungssystem ein solides Geldwesen bereitstellen kann, bleibt. Hinzu kommt, dass Kryptowährungen keine inneren Werte haben.

Die Notenbanken geben zwar auch bei staatlichen Banknoten letztlich kein Versprechen, dass sie diese einlösen. Doch gesetzliche Zahlungsmittel haben gegenüber privaten Währungen nun einmal den Vorteil, dass sie von Behörden, Banken und Verkäufern akzeptiert werden müssen.

Drei Gründe für den Höhenflug der Kryptowährungen

Dass vor allem der Bitcoin in jüngerer Vergangenheit einen wahren Boom erlebt hat, lässt sich im Wesentlichen mit drei Faktoren begründen. So ist der Bitcoin zum einen längst nicht mehr das Nischenprodukt, als das er vor gut zehn Jahren begonnen hat. Heute investieren neben Privatanlegern auch institutionelle Anleger wie Banken oder Fonds in die Kryptowährung.

Zum anderen ist der Bitcoin so programmiert, dass seine Menge auf 21 Millionen Einheiten begrenzt ist. Diese Maximalmenge lässt sich nicht mehr verändern. Eine hohe Nachfrage bei begrenzter Menge lässt den Kurs naturgemäß in die Höhe schnellen.

Als dritter Grund kommt das anhaltende Zinstief dazu. Mit klassischen Anlageprodukten lassen sich kaum noch Renditen erwirtschaften und immer mehr Banken verlangen Strafgebühren für Guthaben. Als Geldanlage werden Kryptowährungen dadurch zu einer interessanten Alternative.

Trotzdem sollte sich ein Anleger nicht zu vorschnellen Investments verleiten lassen. Denn anders als Aktien, Fonds, Gold, Immobilien oder Lebens- und Rentenversicherungen ist eine Kryptowährung nicht mit einem festen Wert hinterlegt.

Sie führt nicht zu einem Geldfluss, generiert keine Zinsen und bringt keine Dividenden ein. Stattdessen spekuliert der Anleger letztlich darauf, dass der Kurs steigt oder zumindest nicht nennenswert fällt.

Allein schon wegen der Kursschwankungen muss sich der Anleger über das Risiko bewusst sein, das er eingeht, wenn er in Kryptowährungen investiert. Andererseits kann er eben auch Gewinne erwirtschaften, die andere Anlageprodukte so derzeit nicht hergeben.

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Veröffentlicht von

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Armin Stolz, 47 Jahre, Finanzberater, Siegmund Taubel, 53 Jahre, Investmentbanker, Marina Mekovic, 38 Jahre, Aktienanalystin, sowie ferya Gülcan , Redakteurin und Betreiberin dieser Webseite, schreiben hier Wissenswertes, geben Tipps und Ratgeber zu Geldanlagen, Investments und allgemeine Finanzthemen.

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