Die wichtigsten Faktoren bei der Standortanalyse

Die wichtigsten Faktoren bei der Standortanalyse

Egal, ob alleine oder mit einem starken Finanzpartner im Rücken und egal, ob ein neues Unternehmen gegründet, eine weitere Filiale eröffnet oder eine neue Wirkungsstätte für eine etablierte Firma gesucht wird: Bei der Wahl eines geeigneten Standorts müssen viele verschiedene Faktoren berücksichtigt werden.

Vor allem Jungunternehmer neigen häufig dazu, sich bei der Suche nach einem Standort für das eigene Unternehmen zu sehr von persönlichen Befindlichkeiten leiten zu lassen. So möchten sie beispielsweise Räumlichkeiten haben, die sich in der Nähe ihres Wohnorts befinden oder so liegen, dass die Kinder auf dem Weg zur Arbeitsstätte im Kindergarten oder in der Schule abgesetzt werden können.

Ob sich die Gegend für das geplante Geschäftsvorhaben eignet, wird nur am Rande berücksichtigt oder sich selbst schöngeredet. Ein anderes typisches Szenario ist, dass die Räume ausgewählt werden, die gerade frei sind, auch wenn diese Räumlichkeiten nicht optimal sind oder für viel Geld umgebaut werden müssen.

Grundsätzlich sollte ein Unternehmer die Bedeutung des Standorts nicht unterschätzen. Denn der Standort hat nicht nur einen repräsentativen Charakter und wirkt sich darauf aus, welchen Eindruck das Unternehmen auf Kunden, Geschäftspartner oder mögliche Investoren macht.

Stattdessen beeinflusst der Standort auch die Arbeitsabläufe, die Mitarbeitersuche, die monatlichen Fixkosten und viele andere Aspekte. Umso wichtiger ist deshalb, eine gründliche Standortanalyse durchzuführen und erst danach eine Entscheidung zu treffen.

 

Die wichtigsten Faktoren bei der Standortanalyse

Die Kriterien, die bei der Wahl eines Unternehmensstandorts von Bedeutung sind, werden in harte und in weiche Faktoren eingeteilt. Die harten Standortfaktoren berücksichtigen beispielsweise die Kosten, die vorhandene Infrastruktur oder rechtliche Aspekte. Zu den weichen Faktoren gehören unter anderem organisatorische oder personelle Fragestellungen.

Welche Faktoren besonders wichtig sind und welche Kriterien eher eine Nebenrolle spielen, hängt natürlich immer vom Unternehmen und seinem Geschäftsmodell ab. Im Allgemeinen sind jedoch folgende Kriterien die wichtigsten Faktoren bei der Standortanalyse:

  • Lage: Sollten die Geschäftsräume im Stadtzentrum liegen oder wäre ein Standort im Industriegebiet besser? Muss es ein angesagter Stadtteil sein oder ist auch eine Lage am ruhigeren Stadtrand in Ordnung? Braucht das Unternehmen Laufkundschaft? Wie wichtig ist es, dass es eine Anbindung an die Autobahn gibt oder das Geschäft mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreicht werden kann? Das sind Fragen, die mit Blick auf die Lage geklärt sein sollten.

 

  • Fördermittel und Steuervorteile: Für die Berechnung der Gewerbesteuer wird ein bestimmter Hebesatz angewendet. Die Höhe des Hebesatzes wird von Kommune zu Kommune anders festgelegt. Doch je niedriger der Hebesatz ist, desto weniger Gewerbesteuern muss das Unternehmen bezahlen. Auch die steuerrechtlichen Rahmenbedingungen können bei der Standortwahl somit von Bedeutung sein. Ratsam ist außerdem, einen Blick auf die Förderprogramme zu werfen. Einige Regionen bieten nämlich wirtschaftliche Anreize, um Unternehmen dazu anzuregen, sich hier niederzulassen. Bei diesen Anreizen kann es sich um Fördergelder oder vergünstigte Gewerbesteuern handeln. Das Unternehmen kann so durch eine passende Standortwahl mitunter viel Geld sparen.

 

  • Marktsituation: Auch das nähere Umfeld spielt bei der Standortwahl eine große Rolle. Gibt es vor Ort bereits vergleichbare Unternehmen und wird dadurch die Konkurrenz zu groß? Gibt es in der näheren Umgebung Unternehmen, die in themenverwandten Branchen tätig ist, so dass die Unternehmen voneinander profitieren und sich gegenseitig ergänzen könnten? Gibt es am Standort Unternehmen, mit denen eine Zusammenarbeit möglich wäre, beispielsweise mit Blick auf kurze Lieferwege?

 

  • Rahmenbedingungen: Je nach Geschäftsmodell und strategischer Ausrichtung erfordert der neue Unternehmensstandort bestimmte Ausstattungsmerkmale. So ist das Unternehmen vielleicht auf einen schnellen Internetzugang angewiesen. Oder es braucht eine große Lagerfläche und die Möglichkeit, die Warenlieferungen vernünftig abzuwickeln. Vielleicht liefert das Unternehmen Produkte aus. In diesem Fall braucht es möglicherweise Parkplätze für die Lieferfahrzeuge. Eventuell produziert oder verkauft das Unternehmen Produkte, die spezielle Lagerbedingungen notwendig machen, beispielsweise eine Kühlung, umfangreiche Hygienestandards oder besondere Schutzvorrichtungen. Das Unternehmen sollte also prüfen, ob es seine Geschäftsidee vor Ort überhaupt umsetzen kann.

 

  • Personal: Bei der Standortwahl sollte die Personalfrage nicht außer Acht gelassen werden. Wie sieht das demografische Profil der Region aus und wie gut stehen die Chancen, hier geeignete Mitarbeiter zu finden? Wie attraktiv ist der Standort für Arbeitnehmer? Wird es gelingen, Fachkräfte für den Unternehmensstandort zu begeistern? Viele Unternehmen pflegen Kontakte zu Universitäten, Berufsschulen und anderen Ausbildungsstätten. Das Unternehmen sollte prüfen, welche Bildungseinrichtungen im näheren Umkreis sind, wenn es selbst ausbilden oder Nachwuchskräfte für sich gewinnen möchte.

 

  • Mietvertrag: Auch der schönste und beste Standort bringt letztlich nicht viel, wenn das Unternehmen die Kosten nicht stemmen kann. Bevor Räumlichkeiten in die nähere Auswahl genommen werden, sollte das Unternehmen also erst einmal durchrechnen, wie hoch die monatlichen Mietkosten überhaupt sein dürfen. Wichtig ist außerdem, den Mietvertrag sehr genau zu prüfen. Anders als bei Mietwohnungen gelten die gesetzlichen Regelungen bei Gewerbeimmobilien nicht und auch ein Mieterschutz ist nicht gegeben. Denn der Gesetzgeber geht davon aus, dass sich zwei Unternehmer bei Vertragsverhandlungen und Vereinbarungen auf gleicher Augenhöhe begegnen. Ein Gewerbemietvertrag kann deshalb sehr viel freier gestaltet werden. Das bedeutet aber gleichzeitig auch, dass der Unternehmer sorgfältig prüfen muss, was er da unterschreibt.

Alternativen zum klassischen Büro

Manchmal kann es durchaus sinnvoll sein, mit der Einrichtung eines eigenen, dauerhaften Standorts noch etwas zu warten. Statt Hals über Kopf irgendwelche Räumlichkeiten anzumieten, kann so analysiert werden, welche Anforderungen der neue Firmensitz erfüllen muss. Gleichzeitig kann erst einmal etwas Geld verdient werden, das dann wieder in die Einrichtung des Standorts fließen kann. Doch was kann das Unternehmen bis dorthin tun?

Eine interessante Alternative zum klassischen Firmensitz können sogenannte Coworking Spaces sein. Hierbei handelt es sich um Büroflächen, die für einen bestimmten Zeitraum angemietet werden. Gleichzeitig treffen in den Büroräumen verschiedene Unternehmer aufeinander.

Sie können sich austauschen, voneinander lernen, sich gegenseitig Tipps geben und natürlich auch geschäftliche Kontakte knüpfen. Coworking Spaces gibt es inzwischen in vielen Städten. Durch das Mietbüro kann das Unternehmen einen neuen Standort testen oder die Zeit, bis die passende Immobilie gefunden ist, überbrücken. Aber auch wenn ein Projekt umgesetzt werden soll, bei dem Mitarbeiter aus verschiedenen Unternehmensstandorten zusammenkommen, kann ein Mietbüro eine ideale Lösung sein.

Für Start-Ups können Gründerzentren in Frage kommen. Hier finden Jungunternehmen geeignete Räumlichkeiten und eine bereits vorhandene Infrastruktur. Zudem kann meist mit Unternehmen vor Ort zusammengearbeitet werden. Gründerzentren werden vielfach aus öffentlichen Mitteln finanziert. Deshalb sind die Mieten vergleichsweise günstig.

Auf dem modernen Arbeitsmarkt stehen neue Arbeitsformen und flexible Arbeitszeitmodelle hoch im Kurs. Viele Arbeitnehmer möchten beispielsweise nicht unbedingt im Büro sitzen, sondern ziehen es vor, einen Großteil ihrer Arbeit von zu Hause zu erledigen. Auch das kann ein Ansatzpunkt sein. Ermöglicht das Unternehmen seinen Mitarbeitern, im Home Office zu arbeiten, können die Räumlichkeiten für die Firmenzentrale deutlich kleiner ausfallen.

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