Für wen eignet sich ein Robo-Advisor? Teil II
Eine rentable Geldanlage nach verbindlich vereinbarten Regeln, die möglichst viel für dich herausholt, ohne dass du dich um etwas kümmern musst: So ungefähr lautet das Versprechen der Anbieter. Die Umsetzung übernimmt ein digitaler Anlagehelfer, ein sogenannter Robo-Advisor. Doch was genau macht ein Robo-Advisor? Wie arbeitet er? Und für wen ist diese Form der Geldanlage geeignet?

In einem zweiteiligen Beitrag beantworten wir die wichtigsten Fragen zum Thema. Dabei haben wir in Teil I erklärt, wie ein Robo-Advisor funktioniert und in welchen Varianten es ihn gibt.
Hier ist der Teil II!:
Inhalt
Für wen eignet sich ein Robo-Advisor?
Grundsätzlich braucht eine gute Geldanlage weder viele Hilfsmittel noch muss sie hohe Zusatzgebühren verursachen. Unsere Empfehlung wäre, dass du die Sache selbst in die Hand nimmst.
Ein bewährtes Vorgehen ist, dass du einen Teil deines Kapitals langfristig in einen breit aufgestellten Aktien-Indexfonds investierst und den anderen Teil in Tages- oder Festgeld anlegst.
Durch das Tages- oder Festgeld kannst du die Schwankungen am Aktienmarkt abfedern. In welchem Verhältnis du das Anlagekapital aufteilst, hängt von deiner Risikobereitschaft ab.
Mit dem notwendigen Durchhaltevermögen kannst du dann solide Gewinne erwirtschaften.
Kannst oder willst du die Verwaltung deiner Geldanlage nicht selbst übernehmen, kann ein Robo-Advisor eine interessante Lösung sein.
Der digitale Anlageberater und -betreuer
- hilft dir bei der Entscheidung, wie viel Risiko du bei deiner Geldanlage eingehen möchtest.
- schlägt dir geeignete Fonds vor, die zu deiner Risikobereitschaft passen.
- kümmert sich um die technische Umsetzung deiner Geldanlage.
- sorgt dafür, dass du langfristig bei deinem einmal erstellten Portfolio bleibst, ohne dich bei Anlageentscheidungen von Emotionen leiten zu lassen.
Dafür, dass dich der Robo-Advisor gewissermaßen an die Hand nimmt, bezahlst du einen Aufpreis. Die Kosten für den Service bewegen sich meist in einem Rahmen zwischen 0,5 und einem Prozent der Anlagesumme pro Jahr.
Ob sich die Zusatzkosten für dich lohnen, musst du abwägen. Ist der Aktienanteil in einem Portfolio gering, kostet dich der Robo-Advisor deutlich mehr, als wenn du deine Geldanlage selbst verwaltest.
Hat bislang deine Bank deine Geldanlage betreut, kommst du hingegen mit einem Robo-Advisor fast immer kostengünstiger davon.
Wie eröffne ich ein Depot?
Bereits bei der Anmeldung beantwortest du Fragen zu deinem finanziellen Hintergrund und zu deiner Risikobereitschaft. Seit dem Jahr 2018 musst du im Rahmen der Anmeldung auch angeben, wie viel Erfahrung mit Wertpapieren du hast.
Je nach Anbieter musst du dich außerdem auf einer bestimmten Plattform für das Tages- oder Festgeldsparen registrieren.
Damit du die Anmeldung abschließen kannst, ist eine Legitimierung notwendig. Das funktioniert entweder über das Post-Ident-Verfahren in einer Postfiliale oder online durch das Video-Ident-Verfahren. Einige Anbieter bieten auch die Legitimierung durch eine elektronische Signatur oder mittels eID an.
Sobald du dich erfolgreich legitimiert hast, wird dein Depot eröffnet und du kannst Geld einzahlen. Das dauert nicht länger als zwei Werktage.
Für das Investment überweist du den gewünschten Betrag von dem Girokonto, das du als Referenzkonto festgelegt hast, auf das Verrechnungskonto des Robo-Advisors. Eine andere Möglichkeit ist ein Lastschriftmandat.
In diesem Fall bucht der Robo-Advisor den jeweiligen Anlagebetrag von deinem Referenzkonto ab.
Ein solider Vermögensaufbau setzt eine langfristige Geldanlage voraus. Entschließt du dich aber dazu, deine Geldanlage doch selbst zu managen, kannst du dein Depot übertragen.
Der Depotübertrag ist meistens kostenlos und alle Aktien in deinem Portfolio bleiben erhalten. Nur Bruchstücke von Fondsanteilen sind oft nicht übertragbar.
Solche Bruchstücke kommen zustande, wenn du feste Euro-Beträge anlegst, die sich nicht glatt durch den Wert eines Fondsanteils teilen lassen.
Einige Anbieter ermöglichen außerdem, dass du Geld für deinen Nachwuchs ansparst. Dann läuft das Depot zunächst auf dich. Der Übertrag erfolgt, sobald dein Kind volljährig ist.

Was muss ich mit Blick auf die Steuern beachten?
Seit 2018 wird auf Erträge aus Fonds und ETFs anteilig Abgeltungssteuer erhoben. Auch Gewinne aus Aktienverkäufen sind steuerpflichtig.
Solche Gewinne können anfallen, wenn der Robo-Advisor im Jahresverlauf ein- oder mehrfach innerhalb des Portfolios zwischen den Anlageklassen umschichtet. Die Steuern führt der Robo-Advisor direkt ans Finanzamt ab.
Um den Steuerabzug zu vermeiden, kannst du einen Freistellungsauftrag erteilen. Die Anbieter haben dafür ein entsprechendes Formular hinterlegt. Durch den Freistellungsauftrag sind Kapitalerträge in Höhe von 1.000 Euro steuerfrei, bei Verheirateten sind es 2.000 Euro.
Übersteigen deine Kapitalerträge diesen Sparerpauschbetrag, musst du deine Gewinne in der Anlage KAP der Steuererklärung angeben.
Dazu erstellt der Robo-Advisor jeweils im Frühjahr eine Steuerbescheinigung für das gesamte vergangene Jahr.
Was passiert, wenn der Anbieter insolvent wird?
Um dein Anlagekapital musst du dir keine Sorgen machen. Das Geld, das du in Fonds investiert hast, gehört nach wie vor dir. Sollte der Anbieter, in diesem Fall der Robo-Advisor, pleitegehen, fließt das Geld nicht in die Insolvenzmasse des Unternehmens ein, sondern gehört zum Sondervermögen.
Die Verwaltung des Fondsvermögens übernimmt eine separate Depotbank, bei der die Fonds lagern. Sollte auch die Depotbank in finanzielle Schwierigkeiten geraten, kümmert sich ein Treuhänder um das Fondsvermögen.
Tages- und Festgelder sind für den Fall der Fälle über die Einlagensicherung geschützt.
Muss der Robo-Advisor seinen Dienst einstellen, verlierst du dein Geld also nicht. Du musst dir dann lediglich einen anderen digitalen Anlageberater suchen oder deine Geldanlage künftig selbst managen.
Mehr Ratgeber, Tipps und Anleitungen:
- Für wen eignet sich ein Robo-Advisor? Teil I
- Ist es legitim, mit Rüstungsaktien Gewinne zu machen?
- Der MSCI World schwächelt: Was das für Anleger bedeutet
- 5 Anlagefehler bei Aktien, die Rendite kosten
- Worauf kommt es bei der Auswahl eines ETFs an? 2. Teil
- Worauf kommt es bei der Auswahl eines ETFs an? 1. Teil
- Wie bildet ein ETF seinen Index nach?
- Ist die Marktwirtschaft überreguliert? Teil II
Thema: Für wen eignet sich ein Robo-Advisor? Teil II
Übersicht:
Fachartikel
Verzeichnis
Über uns
- 3 Missverständnisse zu Stablecoins - 16. August 2025
- Für wen eignet sich ein Robo-Advisor? Teil II - 16. Juli 2025
- Für wen eignet sich ein Robo-Advisor? Teil I - 17. Juni 2025