Übersicht: Grundrisiken bei Geldanlagen, Teil II

Übersicht: Grundrisiken bei Geldanlagen, Teil II

Jedes Investment bietet zunächst einmal die Chance, Renditen zu erwirtschaften. Je nach Geldanlage sind die Gewinne dabei vergleichsweise zeitnah, eher mittelfristig oder zumindest auf lange Sicht gesehen zu erwarten. Genauso birgt ein Investment aber auch die Gefahr von Verlusten.

Umso wichtiger ist es deshalb für den Investor, sich nicht nur auf die möglichen Gewinne zu konzentrieren, sondern sich auch mit den Risiken zu beschäftigen, um dann vor einer Entscheidung die Chancen und die Risiken gegeneinander abzuwiegen.

In einem zweiteiligen Beitrag nehmen wir die wichtigsten Grundrisiken bei Geldanlagen unter die Lupe. In Teil I der Übersicht ging es um das Konjunktur-, das Inflations- und das Liquiditätsrisiko.

Hier folgt nun Teil II der Übersicht:

Das Währungsrisiko

Das Währungsrisiko droht immer dann, wenn bei einer Geldanlage eine fremde Währung ins Spiel kommt. Gegenüber der eigenen Währung kann der Kurs der ausländischen Währung nämlich steigen oder sinken. Fällt der Devisenkurs, der zum Zeitpunkt des Investments zugrunde gelegt wurde, sinkt dadurch auch der Kurs der Geldanlage.

Der Euro gehört zu den recht stabilen und vergleichsweise starken Währungen. Eine Aufwertung des Euro hat eine Abwertung von ausländischen Währungen zur Folge. Für die Investments, die im Ausland getätigt wurden, aber in Euro bewertet werden, bedeutet das, dass sie an Wert verlieren.

Gleiches gilt für ausländische Wertpapiere, die an den deutschen Börsen gehandelt werden. Dabei ist der Effekt umso größer, je weiter der Euro im Wert steigt. Schwankungen der Devisenkurse werden im Wesentlichen durch die Inflationsrate in einem Land, die erwartete Entwicklung der Konjunktur und Zinsdifferenzen, aber auch durch die wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Situation auf nationaler und internationaler Ebene verursacht.

Je schwächer eine Währung ist, desto größer ist das Währungsrisiko. Für den Investor bedeutet das, dass er das Währungsrisiko stets im Auge behalten sollte. Hat er nämlich im Ausland investiert, kann eine nachteilige Entwicklung der Währung dazu führen, dass die eigentlich positive und vielversprechende Entwicklung der Renditechancen dadurch deutlich geschwächt oder gar komplett aufgehoben wird.

Das Länder- und Transferrisiko

Als Länder- und Transferrisiko wird die Gefahr bezeichnet, dass ein ausländischer Schuldner die vereinbarten Zins- und Tilgungszahlungen trotz vorhandener Liquidität gar nicht, nicht vollständig oder verspätet leistet. Zu einer solchen Situation kann es kommen, wenn die Transferfähigkeit nicht gegeben ist oder die Transferbereitschaft fehlt.

In diesem Zusammenhang berücksichtigt das Länder- und Transferrisiko auch das Risiko einer wirtschaftlichen oder politischen Instabilität im jeweiligen Ausland. Diese kann zur Folge haben, dass Zahlungen ausbleiben, weil für den Transfer von Devisen Beschränkungen in Kraft getreten sind oder weil ein Devisenmangel herrscht.

Der Investor sollte grundsätzlich darauf achten, dass er Renditen und Gewinnausschüttungen nur in Währungen erhält, die keinen Devisenbeschränkungen unterliegen und in die eigene Währung umgetauscht werden können.

Der Devisen- und Kapitalmarkt ist ein weltweites Netz mit unzähligen Verflechtungen. Aus diesem Grund können Änderungen der wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse, einschneidende gesellschaftliche Geschehnisse und andere, große Ereignisse sowohl zu positiven als auch zu negativen Impulsen auf den Devisenmärkten führen.

Auch die Grundstimmung an den weltweiten Devisen- und Finanzmärkten kann sich in eine gute und zuversichtliche, in eine vorsichtige oder in eine eher gedrückte Richtung entwickeln. Schutzmaßnahmen, die dem Länder- und Transferrisiko entgegenwirken, gibt es jedoch letztlich nicht. Dies liegt daran, dass ein Land situationsbezogen auf Geschehnisse reagiert und jeweils im Einzelfall entscheidet, wie und wofür es beispielsweise die vorhandenen Finanzmittel einsetzt oder wie es seine Schuldensituation handhabt.

Der Investor kann sich allerdings am sogenannten Länderrating orientieren. Bei diesem Rating werden Staaten, ähnlich wie Anleihen und andere Geldanlageprodukte, auf Basis ihrer Bonität beurteilt und bestimmten Stufen zugeordnet.

Der Investor kann so Rückschlüsse darauf ziehen, wie hoch das Länder- und Transferrisiko in seinem Zielland verglichen mit den Risiken anderer Länder ist.

Das Steuerrisiko

Hierzulande unterliegen Kapitalanlagen seit 2009 der Abgeltungssteuer. Für erwirtschaftete Kapitalerträge findet dabei ein einheitlicher Steuersatz von 25 Prozent Anwendung, hinzu kommt noch der Solidaritätszuschlag.

Die Steuerrisiken, die bei einer Geldanlage auftreten können, ergeben sich im Wesentlichen aus dem Risiko einer Doppelbesteuerung, der unklaren Behandlung von Finanzinnovationen und den Entwicklungen an den Finanzmärkten:

Doppelbesteuerung:

Investiert ein Anleger, der in Deutschland steuerpflichtig ist, in ausländische Geldanlagen, werden die erwirtschafteten Erträge im jeweiligen Ausland versteuert.

Je nach Steuerpolitik des Landes kann dies Risiken bergen. Ein weiteres Risiko droht, wenn die abgeführten Quellensteuern durch ein Doppelbesteuerungsabkommen nur anteilig, nur auf Antrag oder gar nicht angerechnet werden.

Die Quellensteuern werden im Ausland innerhalb der beschränkten Steuerpflicht ohne gesonderte Veranlagung einbehalten, indem die Steuern von erzielten Zinsen und Dividenden abgezogen werden.

Finanzinnovationen:

Wenn neue, innovative Anlageprodukte und Investmentformen auf den Markt kommen, ist oft noch nicht abschließend geklärt, wie sie aus steuerrechtlicher Sicht behandelt werden.

Investiert der Anleger in ein solches Produkt, geht er deshalb das Risiko ein, dass die Finanzverwaltung oder die Rechtsprechung während der Laufzeit eine einkommenssteuerliche Einstufung vornehmen, die sich mit Blick auf die erhoffte Rendite nachteilig auswirkt.

 

Entwicklungen am Kapitalmarkt:

Änderungen im Steuerrecht können sich unmittelbar auf die Kapitalmärkte auswirken und sowohl positive als auch negative Impulse auslösen. Steuerrechtliche Änderungen haben aber auch Einfluss auf die Einkommenssituation von Anlegern und Investoren und auf die wirtschaftliche Lage von Unternehmen.

Diese Einflüsse können sich als indirekte Auswirkungen an den Kapitalmärkten bemerkbar machen und für eine positive Grundstimmung mit günstigen Kursentwicklungen oder eben umgekehrt für eine negative Grundstimmung mit fallenden Werten sorgen.

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