Übersicht: die wichtigsten Infos zu Anleihen, Teil II

Übersicht: die wichtigsten Infos zu Anleihen, Teil II

 

Für Unternehmen und Staaten sind Anleihen eine Möglichkeit, um sich anstelle von oder zusätzlich zu Bankkrediten Geld zu beschaffen. Investiert ein Anleger in Anleihen, stellt er dem Anleihenherausgeber eine Art Kredit zur Verfügung und bekommt dafür Zinsen in festgelegter Höhe.

Dabei gelten Anleihen nicht nur als vergleichsweise sichere Geldanlagen, sondern sie können auch durchaus interessante Investmentobjekte sein.

Im ersten Teil unserer Übersicht mit den wichtigsten Infos zu Anleihen ging es um wesentliche Begriffe und Fachausdrücke. Außerdem haben wir Anleihen als Geldanlage beleuchtet.

 

Nun, in Teil II, stellen wir die gängigsten Typen von Anleihen vor:

 

Staatsanleihen

Staatsanleihen sind Schuldverschreibungen, die Staaten herausgeben. Für die Staaten sind die Anleihen ein Mittel, um ihre Haushaltsdefizite zu finanzieren. Dabei funktionieren Staatsanleihen vom Grundprinzip her wie ein Bankkredit, bei dem der Investor in die Rolle des Kreditgebers schlüpft.

Das bedeutet, der Anleger kauft Staatsanleihen und stellt dem jeweiligen Land so Geld zur Verfügung. Dafür erhält er während der Laufzeit Zinsen in einer vorher festgelegten Höhe. Am Ende der Laufzeit bekommt der Anleger das Geld, das er dem Land durch den Kauf der Anleihen geliehen hat, wieder zurück. Auch Staatsanleihen unterliegen zwar Kursschwankungen.

Wenn die Zinsen steigen, sinken die Anleihenkurse. Umgekehrt steigen die Anleihenkurse, wenn die Zinsen sinken. Hält der Investor seine Anleihen bis zum Ende der Laufzeit, haben die zwischenzeitlichen Kursschwankungen für ihn aber keinerlei Auswirkungen.

Staatsanleihen werden häufig an den Börsen gehandelt. Ihre Laufzeiten bewegen sich in einem Zeitraum von wenigen Monaten bis hin zu über 30 Jahren. Vor allem Staatsanleihen von finanzstarken und politisch stabilen Staaten werden zu den sichersten Anlageprodukten überhaupt gezählt. Die hohe Sicherheit wirkt sich aber insofern nachteilig aus, als dass die Verzinsung von Staatsanleihen sehr überschaubar ausfällt.

 

Unternehmensanleihen

Unternehmensanleihen basieren auf demselben Prinzip wie Staatsanleihen. Herausgeber sind in diesem Fall aber keine Staaten, sondern mittlere Unternehmen und große Konzerne.

Durch die Herausgabe von Anleihen beschaffen sich die Unternehmen als Alternative oder als Ergänzung zu Bankkrediten finanzielle Mittel über den Kapitalmarkt. Der Investor, der Unternehmensanleihen kauft, leiht dem jeweiligen Unternehmen das benötigte Geld.

Dafür zahlt ihm das Unternehmen Zinsen und am Ende der Laufzeit das investierte Kapital zurück. Ein Unternehmen kann normalerweise keine so gute Kreditwürdigkeit vorweisen wie ein solider und finanzstarker Staat. Aus diesem Grund ist das Risiko bei Unternehmensanleihen etwas höher als bei Staatsanleihen. Dafür kann der Investor aber oft eine höhere Rendite erwarten. Wie hoch diese ist, hängt von der Kreditwürdigkeit des Unternehmens und der Laufzeit der Anleihe ab.

Als Faustregel gilt, dass die Verzinsung einer Unternehmensanleihe umso höher ist, je geringer die Finanzkraft des Unternehmens und je länger die Laufzeit der Anleihe ist. Damit steigt aber auch das Risiko für den Anleger. Unternehmensanleihen von Unternehmen mit guter Bonität und kurzer Laufzeit sind sicherer, aber eben auch schlechter verzinst.

 

Pfandbriefe

Pfandbriefe, die eine Variante von Unternehmensanleihen sind, weisen zusätzliche Sicherheitsmerkmale auf. Hierzu gehört, dass Pfandbriefe durch ein separates Vermögen abgesichert sind, das abgerufen werden kann, falls der Herausgeber zahlungsunfähig werden sollte.

Die vergleichsweise hohe Sicherheit von Pfandbriefen führt aber gleichzeitig dazu, dass die Rendite niedriger ist als bei herkömmlichen Unternehmensanleihen.

 

Nachrangige Anleihen

Nachrangige Anleihen sind Schuldverschreibungen, bei denen die Anleiheninhaber im Insolvenzfall des Herausgebers nachrangig bedient werden. Wird der Herausgeber der Anleihen zahlungsunfähig, bekommen also erst alle anderen Gläubiger ihr Geld.

Ist danach noch Kapital übrig, werden die Inhaber der Anleihen berücksichtigt. Durch den Kauf von nachrangigen Anleihen geht der Investor folglich ein deutlich höheres Risiko ein als beim Kauf von normalen Staats- und Unternehmensanleihen. Im schlimmsten Fall droht sogar der Verlust des Kapitals. Im Gegenzug erhält der Anleger bei nachrangigen Anleihen höhere Zinsen und kann eine höhere Rendite erwarten.

Nachrangige Darlehen werden hauptsächlich von Banken und Versicherungen herausgegeben, die Laufzeiten betragen fünf bis 100 Jahre. Insgesamt sind nachrangige Anleihen aber nur etwas für risikofreudige Investoren mit viel Erfahrung in Sachen Anleihen.

 

Hochzinsanleihen

Andere Bezeichnungen für Hochzinsanleihen sind Junk Bonds oder High-Yields, umgangssprachlich werden sie auch Ramschanleihen genannt. In die Gruppe der Hochzinsanleihen gehören prinzipiell alle Anleihen, die die Ratingagenturen mit BB und schlechter benotet oder als spekulativ eingestuft haben.

Die meisten Hochzinsanleihen sind Unternehmensanleihen, teilweise geben aber auch Staaten solche Anleihen heraus. Die vergleichsweise geringe Kreditwürdigkeit der Anleihenherausgeber lässt das Risiko eines Kapitalverlustes steigen.

Gleichzeitig versprechen Hochzinsanleihen aber auch höhere Renditen. Ähnlich wie nachrangige Anleihen sind Hochzinsanleihen ebenfalls in erster Linie eine Option für risikofreudige Kapitalmarkt-Profis.

 

Wandelanleihen

Wandelanleihen kombinieren Anleihen und Aktien miteinander. Kauft der Investor Wandelanleihen, erhält er zunächst die bei Anleihen übliche Verzinsung. Allerdings fallen die Zinszahlungen bei Wandelanleihen geringer aus als bei klassischen Anleihen.

Das Besondere an Wandelanleihen ist, dass der Investor seine Anleihen zu einem bestimmten Kurs in Aktien eintauchen kann. Entwickeln sich die Aktienkurse positiv, erzielt der Anleger durch die Umwandlung seiner Anleihen in Aktien so Kursgewinne.

Bei einer ungünstigen Entwicklung der Aktienkurse erhält er am Ende der Laufzeit aber lediglich den Nennwert seiner Anleihen wieder. Eine Ausnahme gilt nur bei Pflichtwandelanleihen, denn sie werden immer in Aktien umgetauscht. Wandelanleihen sind sehr komplexe und zudem risikoreiche Anlageprodukte. Aus diesem Grund ist ein solches Investment erfahrenen Anleihe-Experten vorbehalten.

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