Geldanlagen & Brexit – Infos und Tipps

Geldanlagen & Brexit – Infos und Tipps

Mit einer knappen Mehrheit haben die Briten für den Austritt aus der EU gestimmt. Doch welche Folgen hat der Brexit für Anleger und Investoren?

Kaum jemand hat damit gerechnet und selbst die Buchmacher, die in Sachen Prognosen eigentlich zu den zuverlässigsten Quellen überhaupt gehören, hatten einen anderen Ausgang des Referendums vorhergesagt. Doch 52 Prozent der Briten haben für den Ausstieg aus der Europäischen Union gestimmt.

Damit steht fest, dass Großbritannien in absehbarer Zukunft kein EU-Mitglied mehr sein wird. Es gab zwar Forderungen, die Abstimmung zu wiederholen. Doch die britische Regierung hat klargestellt, dass die Entscheidung gefallen ist und es nun gilt, den Brexit umzusetzen.

Aber was bedeutet der EU-Ausstieg Großbritanniens für Sparer und Anleger? Welche Auswirkungen sind zu befürchten?

 

Hier die wichtigsten Infos und Tipps dazu:

 

Geldanlagen & Brexit – Keine Panik und keine voreiligen Handlungen!

Nachdem am 24. Juni 2016 bekanntgegeben wurde, wie die Briten am Vortag abgestimmt hatten, kam es kurzfristig zu Turbulenzen. Die Börsen reagierten mit Kursverlusten und das britische Pfund verlor an Wert. Allerdings ist es noch viel zu früh, um Schlüsse zu ziehen.

Denn bisher gab es ein solches Szenario noch nicht. In der Vergangenheit ist die EU kontinuierlich gewachsen, immer mehr neue EU-Mitglieder kamen dazu. Ein Ausstieg aus der EU ist einmalig. Allein schon deshalb kann niemand die weiteren Entwicklungen vorhersagen.

Hinzu kommt, dass sich Großbritannien selbst erst einmal sammeln und einen Weg finden muss. Das Abstimmungsergebnis war denkbar knapp und es waren vor allem die Bewohner Englands, die sich für den EU-Ausstieg ausgesprochen hatten. Im Unterschied dazu wollten und wollen die Schotten und die Nordiren lieber in der EU bleiben.

Es bleibt abzuwarten, ob Schottland seine Unabhängigkeitsabstimmung wiederholt und sich möglicherweise vom Vereinigten Königreich trennt, dafür aber EU-Mitglied bleibt. Die neue britische Regierung steht also vor einigen großen Aufgaben und erst die Zukunft wird zeigen, wie und mit welchen Folgen diese gelöst werden können.

Nicht zu vergessen ist außerdem, dass Großbritannien nicht von heute auf morgen aus der EU aussteigt. Bis der Brexit vollzogen ist, werden sicherlich zwei, drei Jahre vergehen. Alles in allem besteht also überhaupt kein Anlass zu panischen, voreiligen Handlungen. Ganz im Gegenteil: Wer jetzt vorschnell Finanzentscheidungen trifft, riskiert unnötige Verluste.

 

Aktienanleger brauchen Geduld.

Der Brexit verunsichert die Wirtschaft und die Verbraucher, denn niemand kann so richtig abschätzen, wie es weitergehen wird. Die Auswirkungen für die Briten selbst werden zwar deutlich größer sein als für Europa und den Rest der Welt.

Doch in Zeiten der Globalisierung reagieren die Märkte auf derart historische Entscheidungen. So haben auch die Börsen spürbar auf den Brexit reagiert. Die Kurse rutschten kräftig ins Minus, auch wenn sie sich noch im Laufe desselben Tages schon wieder leicht erholten.

Generell sollten Aktienanleger in den kommenden Jahren mit eher unruhigen Zeiten rechnen. Die Börsen sind nun einmal sensibel und neigen dazu, Entscheidungen und Entwicklungen mit teils turbulenten Kursschwankungen zu quittieren.

Aber gerade angesichts des Brexits zeigt sich einmal mehr, dass der sicherheitsbewusste Anleger am besten fährt, wenn er sein Aktienportfolio breit aufgestellt. Je breiter sein Aktieninvestment gestreut ist, desto breiter sind auch die Risiken gestreut. Folglich sind die Verluste insgesamt umso geringer.

Gleichzeitig zeigt die Erfahrung, dass Turbulenzen meist nur kurz anhalten und die Kurse im Laufe der Zeit wieder an ihr altes Niveau anknüpfen. Auch die schwere Wirtschafts- und Finanzkrise 2008 hat die Aktienmärkte kräftig durcheinandergewirbelt, doch inzwischen haben sie sich davon wieder komplett erholt.

Für Aktienanleger heißt das, dass sie jetzt Ruhe bewahren sollten. Es macht überhaupt keinen Sinn, Aktien voreilig und mit entsprechenden Verlusten zu verkaufen. Gleiches gilt für Fonds und andere Wertpapiere. Jetzt als Anleger auf den Brexit zu reagieren, hat nichts mit einem Wertpapierhandel unter strategischen Gesichtspunkten zu tun, sondern basiert auf reiner Spekulation.

 

Währungsschwankungen haben Vor- und Nachteile.

Nachdem das Abstimmungsergebnis bekannt geworden war, verlor das britische Pfund deutlich an Wert. Allerdings sind Auf- und Abwertungen einer Währung nicht ungewöhnlich. Denn auch bei Währungen findet das Prinzip von Angebot und Nachfrage Anwendung.

Wenn eine Währung von Staaten, Unternehmen und Verbrauchern weniger nachgefragt wird, sinkt ihr Preis. Während der griechischen Schuldenkrise 2010 beispielsweise wurde der Euro gegenüber dem US-Dollar zeitweise um mehr als zehn Prozent abgewertet. Dann erholte sich der Euro wieder, bis es in jüngerer Vergangenheit als Reaktion auf die Politik der Europäischen Zentralbank erneute eine leichte Abwertung gab. Kursschwankungen von Währungen kommen also immer wieder vor.

Zudem haben schwankende Währungskurse sowohl Vor- als auch Nachteile.

Bezogen auf den Brexit können sich folgende Auswirkungen ergeben:

  • Fällt das britische Pfund gegenüber dem Euro, wird es für deutsche Verbraucher kostengünstiger, in Großbritannien Urlaub zu machen.

 

  • Ein abgewertetes Pfund macht Importe britischer Waren günstiger. Andersherum wird es für die Briten teurer, deutsche Waren zu importieren. Für die deutsche Exportwirtschaft könnte es dadurch schwieriger werden, ihre Waren in Großbritannien abzusetzen.

 

  • Wer ein Darlehen in britischen Pfund aufgenommen hat, kann sich über Gewinne freuen. Denn wenn der Euro gegenüber dem Pfund im Wert steigt, sinken die Darlehensraten und damit die Kosten des Darlehens.

 

  • Geldanlagen in britischen Pfund verlieren bei einer Abwertung der Währung gegenüber dem Euro an Wert. Wie bei Aktien und anderen Wertpapieren gilt aber auch hier, dass der Investor geduldig bleiben und abwarten sollte. Derzeit würde der Anleger bei einem Verkauf Verluste machen, weil das britische Pfund im Wert gefallen ist. Doch niemand kann vorhersagen, wie lange die massiven Kursschwankungen andauern und welche langfristigen Folgen sich ergeben werden.

Angelegtes Geld ist und bleibt sicher.

Kapital, das bei britischen Banken angelegt ist, bleibt durch die Europäische Einlagensicherung geschützt. Und solange die britische Regierung keine anderweitigen Regelungen getroffen hat, wird sich daran auch nichts ändern. Durch die Einlagensicherung ist Anlagekapital bis zu einer Höhe von 75.000 Pfund pro Kunde abgesichert.

Durch das derzeit schwache Pfund entspricht das zwar nicht ganz den EU-weit vorgeschriebenen 100.000 Euro, sollte für die meisten Sparer aber dennoch ausreichenden Schutz bieten. Zumal viele britische Banken, die auf dem deutschen Markt aktiv sind, auch dem Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes angehören. Durch diese freiwillige Sicherungseinrichtung sind im Insolvenzfall deutlich höhere Beträge geschützt als durch die EU-Sicherheitsregeln gefordert.

 

Allzu viel ändert sich vorerst nicht.

Bislang wurde Großbritannien von den Ratingagenturen mit der Bestnote AAA eingestuft. Angesichts des Brexits, der Abwertung des britischen Pfunds und der Wertverluste britischer Aktien wurde zwar angekündigt, dem Land die Bestnote zu entziehen. Aber selbst wenn es soweit kommen sollte, genießt Großbritannien nach wie vor eine gute Bonität und wäre nicht schlechter bewertet als andere europäische Länder.

Insofern gibt es keinen Grund, sein Geld künftig nicht mehr bei britischen Banken mit guter Bonität anzulegen. Ganz im Gegenteil: Schon jetzt bieten britische Banken attraktive Festgeldangebote und vielleicht ist nach all der Aufregung um den Brexit sogar noch ein kleiner Zinsaufschlag drin. Führt der Anleger sein Festgeldkonto in Euro, umgeht er die Währungsrisiken.

Bis der Brexit vollzogen ist, ändert sich ohnehin nicht viel. Die EU-Rechte bei Einkäufen etwa gelten weiterhin und bei Reisen genügt der Personalausweis. Sparer, Anleger und Investoren sollten sich deshalb nicht verrückt machen lassen.

Auch vermeintliche Geheimtipps sind mit größter Vorsicht zu genießen. Doch niemand kann heute schon wissen, welche Auswirkungen der Brexit langfristig haben wird. Natürlich ist es sinnvoll, seine Geldanlagen regelmäßig auf den Prüfstand zu stellen. Dies sollte aber nicht vor dem Hintergrund des Brexits, sondern mit Blick auf die persönlichen Anlageziele erfolgen.

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