Basiswissen: Investment in Aktien, Teil II

Basiswissen: Investment in Aktien, Teil II

Ein langfristiger Vermögensaufbau komplett ohne Aktien dürfte sehr schwierig werden. Ein niedriges Zinsniveau führt dazu, dass der notwendige Zinseszinseffekt ausbleibt und klassische Anlageprodukte folglich kaum nennenswerte Renditen erwirtschaften.

Selbst wenn das Zinsniveau in Zukunft wieder steigt, wird es seine Zeit dauern, bis die Inflationsrate den Erträgen nichts mehr anhaben kann. Private Anleger sind Aktien gegenüber aber nach wie vor skeptisch.

Dabei ist der Aktienhandel weder so risikoreich noch so komplex wie oft vermutet. In einem mehrteiligen Ratgeber versuchen wir, Basiswissen rund um ein Investment in Aktien zu vermitteln. Dabei haben wird in Teil I erklärt, warum ein Investment in Aktien Sinn macht, warum Aktien auch in Zukunft Gewinne versprechen und wie es zu Kursschwankungen kommt.

 

Hier ist nun Teil II des Ratgebers:

 

Was ist für den Börsenhandel entscheidend?

Aktienneulinge können oft nicht nachvollziehen, wie die Börse Wirtschaftsdaten interpretiert. Sie verstehen nicht, warum die Aktienkurse eines Unternehmens fallen, obwohl dieses Unternehmen gerade einen Rekordgewinn gemeldet hat. Andersherum macht es für sie keinen Sinn, dass Investoren die Aktien eines Unternehmens aufkaufen, das aktuell deutliche Verluste macht.

Dieses Verhalten an der Börse mag auf den ersten Blick tatsächlich unlogisch erscheinen. Es klärt sich aber schnell auf, wenn der Aktieneinsteiger versteht, was für den Börsenhandel zählt: Der Blick der Börse ist auf die Zukunft gerichtet und die Erwartungen sind das entscheidende Element.

Die Börse interessiert sich nur am Rande für die Vergangenheit und für die Gegenwart. Sie wird stattdessen davon geleitet, was sie in der Zukunft erwartet.

Anleger kaufen deshalb Aktien von einem Unternehmen, das derzeit Verluste macht, weil sie erwarten, dass dieses Unternehmen künftig höhere Gewinne erzielen wird. Bewahrheiten sich diese Erwartungen, wirkt sich das später kaum noch auf die Aktienkurse aus. Andersherum verkaufen Anleger ihre Aktien, wenn ein Unternehmen einen Rekordgewinn einfährt, denn sie gehen davon aus, dass das Unternehmen in Zukunft geringere Erträge erwirtschaften wird. Mehrere Rekordgewinne hintereinander sind schließlich eher selten.

Ganz so einfach ist es dann aber doch wieder nicht, denn Wirtschaftsdaten werden oft unterschiedlich interpretiert. So kann beispielsweise ein Wirtschaftswachstum, das höher ausgefallen ist als erwartet, sowohl zu steigenden als auch zu fallenden Aktienkursen führen.

Dies liegt daran, dass die Börse Indikatoren nicht für sich alleine, sondern im jeweiligen Zusammenhang bewertet. So ist ein höheres Wirtschaftswachstum zwar grundsätzlich positiv. Es könnte die Notenbanken aber dazu veranlassen, die Zinsen anzuheben.

Für die Kurse wäre dies wiederum negativ. Die Interpretation an der Börse hängt deshalb letztlich davon ab, welcher Folge die größere Bedeutung für die Marktsituation beigemessen wird.

Das ständige Auf und Ab mitsamt seinen Überraschungen gehört zum Börsenhandel einfach dazu. Für Anleger ist das aber alles kein Grund, nervös zu werden, denn selbst komplett abgestürzte Kurse erholen sich in aller Regel irgendwann wieder. Und Aktien sind kein kurzfristiges Anlageprodukt, sondern ein mittel- oder sogar langfristiges Investment.

 

Was bedeutet es, Aktionär zu sein?

Investiert der Anleger in Aktien, wird er zum Aktionär. Damit ist er gleichzeitig Miteigentümer der jeweiligen Aktiengesellschaft. Für die Aktiengesellschaft bedeutet die Ausgabe von Aktien, dass sie sich auf diese Weise Eigenkapital beschafft. Die Aktionäre sind im Gegenzug anteilig an den Gewinnen und Verlusten der Aktiengesellschaft beteiligt.

Wird die Aktiengesellschaft zahlungsunfähig, haften die Aktionäre mit ihren Einlagen für die Verbindlichkeiten. Die Folge davon kann sein, dass die Aktien dadurch wertlos sind. Andersherum profitieren die Aktionäre, wenn die Aktiengesellschaft Gewinne macht.

Ein Teil dieser Gewinne wird in Form von sogenannten Dividenden an die Aktionäre ausgeschüttet. Aus diesem Grund werden Aktien auch als Dividendentitel bezeichnet. In welcher Höhe die Auszahlungen erfolgen, entscheiden die Aktionäre durch eine Abstimmung bei der jährlichen Hauptversammlung.

Kleinaktionäre, also Anleger mit einem überschaubaren Aktienpaket, können auf die Entscheidungen des Managements keinen Einfluss nehmen. Es wäre in der Praxis auch nicht umsetzbar, wenn ein riesiger Konzern jede Entscheidung mit jedem einzelnen Aktionär abstimmen müsste.

Trotzdem kann der Vorstand nicht schalten und walten wie er will. Es gibt nämlich noch den Aufsichtsrat, der den Vorstand überwacht. Die Mitglieder des Aufsichtrats wiederum werden zumindest in Teilen von den Aktionären gewählt.

In Deutschland und in vielen anderen Ländern sind Aktiengesellschaften außerdem dazu verpflichtet, die Aktionäre regelmäßig über die geschäftlichen Entwicklungen zu informieren. Dabei gelten für börsennotierte Aktiengesellschaften besonders strenge Berichtspflichten.

 

Wie groß ist der deutsche Aktienmarkt?

In Deutschland gibt es über 11.000 Aktiengesellschaften. Nur etwa 700 davon sind aber an den Handelsplätzen der Börse notiert. Eine Notierung an der Börse bedeutet, dass die Aktien öffentlich an den Börsen gehandelt werden. Der Börsenwert dieser Unternehmen beläuft sich auf rund 1.200 Milliarden Euro.

Der Börsenwert wird auch Marktkapitalisierung genannt und gemessen an der Marktkapitalisierung belegt der deutsche Aktienmarkt im weltweiten Vergleich Platz 7. Gemessen an der jährlichen Wirtschaftsleistung in Deutschland erreicht die Marktkapitalisierung im langfristigen Durchschnitt aber nur eine Quote von etwa 40 Prozent.

Um diese Zahlen einzuordnen, bietet sich der Vergleich mit den USA an. Die USA haben den mit Abstand größten Aktienmarkt weltweit. Hier beläuft sich der Wert der börsennotierten Unternehmen auf über 110 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung.

An dieser Stelle zeigen sich dann aber auch kulturelle Unterschiede. Während sich deutsche Anleger mit Aktien noch eher schwertun, ist es in den USA völlig selbstverständlich, Aktien zu haben.

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